DISSOLVING TERRITORIES | kulturgeographien eines neuen eelams III.II

Teil III

**Alle Veranstaltungen finden online statt**

Am 16. Juni geht es weiter mit der zweiten Veranstaltung der dritten Staffel unserer Reihe »Dissolving Territories | kulturgeographien eines neuen eelams« . Die diesjährige Ausgabe wird in Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung durchgeführt.

»DISSOLVING TERRITORIES« beschäftigt sich mit Fragen von Exil, Vertreibung und Staatenlosigkeit aus einer gezielt eelam-tamilischen Perspektive. In dieser Reihe wird versucht, diese Lebensrealitäten und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu rücken; Lebenswelten, die seit jeher sowohl innerhalb, als auch außerhalb Deutschlands ignoriert, deplatziert und zum Schweigen gebracht wurden. Mit dieser Reihe wollen wir die alltäglichen Erinnerungs- und Widerstandskulturen von Eelam Tamil:innen betrachten und den Versuch unternehmen, sowohl territoriale und kulturgeographische Fragen zu erörtern, als auch lokale Mythen rund um die Themen Flucht und Widerstand in Deutschland zu dekonstruieren.

Die dritte Saison von »Dissolving Territories« ist dem Aspekt der Solidarität zwischen verschiedenen unterdrückten und staatenlosen Völkern gewidmet: hierzu werden wir eelam-tamilische und kurdische Perspektiven zusammenbringen und hier explizit nach Schnittstellen in Bezug auf Erfahrungen im (deutschen) Exil eingehen. Themen, die im Rahmen der dritten Staffel angesprochen werden umfassen:

  • 7+ Digitale Landschaften – 12. Mai 2021
  • 8+ Stoffe und Kleidung – 16. Juni 2021
  • 9+ Geburten im Exil – 04. August 2021

Die Reihe »Dissolving Territories« wurde gemeinsam von Iris Rajanayagam (xart splitta) und Sinthujan Varatharajah initiiert und konzipiert. In der dritten Saison freuen wir uns Elif Küçük mit dabei zu haben, die sowohl konzeptionell/inhaltlich als auch in der künstlerischen Begleitung mitwirken wird.


8+ Stoffe & Kleidung

Mittwoch, 16. Juni 2021, 19h

Im Gespräch mit Havin Al-Sindy & Karosh Taha

**Diese Veranstaltung findet online statt**

Wie kleiden wir uns im Exil?  Welche Bedeutungen, Politiken und Geschichten können hinter Stoffen, Textilien und Kleidung im Exil stecken? Und was haben Stoffe, Textilien und Kleidung mit Widerstand zu tun?

In der zweiten Veranstaltung der dritten Staffel der Reihe »Dissolving Territories« beschäftigen wir uns mit dem Thema Stoffe und Kleidung im Kontext von Staatenlosigkeit und Exil. In diesem Zusammenhang sprechen wir mit Havin Al-Sindy und Karosh Taha. Die Veranstaltung wird eingeleitet mit einen Kurzinput von Sinthujan Varatharajah. Hieran anschließend folgt eine Podiumsdiskussion mit:

Um einen Zugangslink für die Veranstaltung zu erhalten, bitten wir um Anmeldung über das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Sinthujan Varatharajah ist politische*r Geograf*in, Essayist*in und Forscher*in in Berlin. Varatharajahs Arbeit konzentriert sich auf Geografien von Macht, Vertreibung und Staatenlosigkeit. 2020 war Varatharajah mit der Ausstellung “wie man* eine arche bewegt” Teil der 11. Berliner Biennale für Zeitgenössische Kunst. Im Frühjahr 2022 erscheint Varatharajahs erstes Buch bei Hanserblau.

Elif Küçük ist eine visuelle Künstlerin und Art Direktorin aus Berlin. Sie arbeitet mit den Mitteln der Foto- und Videografie, der digitalen Illustration und Animation. Im Fokus ihrer Arbeit stehen visuelle Auseinandersetzungen mit Zärtlichkeit, Solidarität und Widerstand. Seit Oktober 2020 arbeitet sie als Editorial Designerin bei ZEIT ONLINE, im Ressort ze.tt.

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt.


»Dissolving Territories« Teil III findet in Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und im Rahmen des LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.


Realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Online Lese- und Gesprächskreis: Queer of Colour Critique

Buntes Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, von Stiften, Bilder und anderen Materialen

Mit Rena Onat und Saida-Mahalia Saad

31. Mai – 25. Oktober 2021

Buntes Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, von Stiften, Bilder und anderen Materialen
© Rena Onat und Saida-Mahalia Saad

An fünf aufeinanderfolgenden Terminen möchten wir uns mit verschiedenen theoretischen Ansätzen der Queer of Colour Critique auseinandersetzen.

Queer of Colour Critique bedeutet erstmal recht allgemein eine kritische Perspektive von als ‚queer‘ und ‚of Colour‘ positionierten Personen. Zwar gibt es keine einheitliche Gruppe von ‚Queers of Colour‘ – der Begriff bezeichnet eine Vielzahl von unterschiedlichen Identitäten und Erfahrungen und aktuell wird deswegen auch eher von QTIBIPoCs (QueerTransInter*Black and Indigenous People of Colour) geschrieben. Es gibt aber die Gemeinsamkeit, sowohl von Rassismus als auch von Homo- und/oder Transfeindlichkeit betroffen zu sein, also Mehrfachdiskriminierung zu erleben. Das bedeutet auch, dass es geteilte Erfahrungen und geteilte Widerstands-, Überlebens- und Empowermentstrategien gibt. Queer of Colour Critique richtet sich beispielsweise gegen Rassismus und Weißsein als Status Quo auch innerhalb politischer Bewegungen, wie der Frauenbewegung, der Homosexuellen-/Queeren-Bewegungen, Subkulturen und Szenen. Sie ermöglicht außerdem ein Sprechen über die eigenen Erfahrungen mit Homo- und Transfeindlichkeit in der Gesellschaft und teilweise auch in den eigenen Communities. Gerade das ist schwer, auf Grund der vielen rassistischen Stereotype, die wir nicht bedienen wollen.

Wir meinen mit Queer of Colour Critique aktivistische, theoretische und künstlerische Positionen. Einige der Theorien, die von QTIBIPoCs veröffentlicht wurden, wollen wir euch im Lesekreis vorstellen und mit euch diskutieren, weil wir denken, dass sie uns Worte geben für das, was wir selbst erleben und uns inspirieren und stärken können. Die Texte, die wir lesen wollen, sind von José Esteban Muñoz, Sara Ahmed, Gloria Anzaldúa, Riley Snorton und Jin Haritaworn. Zu unserer Session zu Gloria Anzaldúa haben wir Maque Pereyra als weiteren Gast eingeladen, da sie in ihrer künstlerischen Arbeit viele Bezüge zu Gloria Anzaldúa macht und wir gerne mehr darüber hören wollen. Für den Abschlusstermin im Herbst haben wir Chandra Frank und Gayatri Gopinath für ein gemeinsames Gespräch über Queer Diaspora und Archive eingeladen.

Fragen, die uns beschäftigen und über die wir gemeinsam nachdenken wollen, sind: Wie können wir es schaffen, dass Wissenschaft und Wissen, die QTIBIPoCs betreiben und hervorbringen, zurück in die Communities gelangen? Welche Bedeutung können auch unser Erfahrungswissen und unsere politische Praxis für diese Theorien und Konzepte haben? Inwieweit können diese Theorien auch im Sinne bell hooks als “Liberatory Practice” und “Healing Theory” verstanden werden? Und nicht zuletzt: Was machen wir damit, dass viele der Theorien aus den USA kommen und auf Englisch sind?

Wir wollen uns der Theorie aus der Perspektive unserer gemeinsamen Freund*innenschaft heraus annähern. Dinge, über die wir gerne sprechen, unsere persönlichen Erfahrungen als queere BIPoC Personen in Deutschland, sowie politische Praxis möchten wir mit Theorie verknüpfen. Wir möchten einen Raum schaffen, indem wir uns austauschen, bereichern und Theorie nicht nur als ‚akademisch produziert und nutzbar‘ verstehen können. Unsere Freund*innenschaft ist demnach ein wesentlicher Bestandteil unserer Gespräche über Theorie.

Die gemeinsamen Gespräche werden von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad angeleitet und finden ab dem 31. Mai online jeweils am Montag statt. Die Termine können einzeln oder zusammen besucht werden. Texte werden vorab verschickt. Das Lesen dieser ist nicht die Voraussetzung für eine Teilnahme.

Der Lese- und Gesprächskreis richtet sich ausdrücklich an Personen, die sich als Schwarze Menschen, Indigenous oder People of Colour identifizieren. Die Bereitschaft, sich mit BIPoC Queer- und Trans*themen auseinanderzusetzen ist Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs. Das Angebot findet bewusst außerhalb eines akademischen Settings statt und richtet sich explizit auch an Personen, die sich nicht innerhalb von akademischen Kreisen und Theorien bewegen. Grundlage für die Treffen ist eine gegenseitige Anerkennung unterschiedlicher Formen des Wissens und eigener Erfahrungen. Die (englischen!) theoretischen Texte, die für die jeweiligen Treffen gelesen werden können, werden dementsprechend immer von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad aufbereitet und in eigenen Worten als Input dem Austausch vorangestellt.

Programm des Lesekreises

Montag, 31. Mai, 18-20h: José Esteban Muñoz – Disidentification

Als erstes wollen wir mit euch über das Buch “Disidentification – Queers of Color and the Performance of Politics” (1999) von José Esteban Muñoz sprechen. Der Begriff Disidentification ist erstmal etwas abstrakt. Er bezeichnet jedoch eine Erfahrung, die viele von uns kennen, nämlich in verschiedenen Räumen immer nur mit einem Teil unserer Identität sein zu können, sich weder ganz zu identifizieren, noch sich gar nicht zu identifizieren. Etwas dazwischen. Muñoz ist Wissenschaftler in Performance Studies und erklärt Disidentification anhand verschiedener künstlerischer Arbeiten. Für ihn ist es gleichzeitig eine Überlebens- und Widerstandsstrategie und es kann zu etwas führen, was er “queeres worldmaking” nennt.

Montag, 28. Juni, 18-20h: Sara Ahmed – Orientierung und Queer Phenomenology

Sara Ahmed ist inzwischen sehr bekannt und wird viel diskutiert. Meistens geht es dabei viel um ihre Perspektiven auf Antidiskriminierung und Institutionenkritik oder um ihre Figur der “Feminist Killjoy”. Wir wollen mit euch darüber sprechen, was Sara Ahmed über Orientierung und Queere Phänomenologie zu sagen hat. Das ist ein theoretischer Ansatz, der nicht so einfach ist, nicht, weil Ahmed sich unnötig schwierig ausdrückt, sondern weil es komplexe Gedanken sind, die sie sich macht. Wir finden aber, dass es sich lohnt. Sie fragt danach, was es heißt, orientiert zu sein? Sie nimmt die Frage der Orientierung z.B. in sexueller Orientierung wörtlich. Aber sie fragt auch, was Orientierung und Orientalismus miteinander zu tun haben. Das Interessante an ihrem Ansatz ist, dass sie über strukturelle Machtverhältnisse nachdenkt, aber auch, wie diese Einfluss auf unsere Körper haben. Denn der Körper ist der Ausgangspunkt von Orientierung und Wahrnehmung.

Montag, 26. Juli, 18-20h: Jin Haritaworn & Riley Snorton – “Transnecropolitics”

In ihrem gemeinsamen Text reflektieren Jin Haritaworn und Riley Snorton über Politiken im Umgang mit dem Tod von Trans* Personen of Colour. Die Forderung, dass wir Platz für die Perspektiven von (lebenden) Trans* of Colour schaffen müssen, wird immer noch häufig abgewehrt als “PC that goes too far”, als politisch-korrekt was zu viel verlangt sei, wie Jin Haritaworn erklärt. Bei Veranstaltungen wie dem Transgender Day of Remembrance, bei dem an Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht wird, sind es jedoch größtenteils Namen nicht-weißer Trans* Menschen, die verlesen werden. Wann bekommen also Trans* of Colour Aufmerksamkeit innerhalb von Queer und Trans Aktivismus? Was genau meint “Transnecropolitics”? Was können wir auch lernen über Politiken der Erinnerung und des Gedenkens?

Montag, 27. September, 18-20h: Gloria Anzaldúa – Borderlands
mit Maque Pereyra Queen of Yoggaton (wahrscheinlich auf Englisch)

Gloria Anzaldúas Buch “Borderlands / La Frontera” ist bereits von 1987. Sie ist eine Theoretikerin, die lange Zeit nur sehr wenig beachtet wurde, gerade auch innerhalb der Queer Theory. Dabei ist sie eine der ersten, die dazu geschrieben hat. Sie schreibt ausgehend von ihrer Erfahrung als queerer Chicana, aufgewachsen im “Borderland” zwischen den heutigen USA und Mexico. Sie schreibt über koloniale Grenzziehungen aber auch über Grenzen durch den Körper, durch Sprache sowie über Spiritualität. Bereits mit der Form ihres Textes leistet Gloria Anzaldúa Widerstand gegen das, was sie kritisiert, indem sie vermeintliche Gegensätze zusammenbringt: Sie mischt geschichtliche und theoretische Ausführungen mit Gedichten, kombiniert ihr Erfahrungswissen mit Wissen zu Geschichte, Ethnologie, präkolumbianischer Mythologie und Politik. Sie schreibt einzelne Wörter oder ganze Passagen auf Spanisch – wohlwissend, dass ein Teil der englischsprachigen Leser*innen diese Textteile nicht verstehen wird. Anzaldúa teilt mit uns nicht nur ihre Analysen und Erfahrungen sondern viele Visionen und Utopien.

Maque Pereyra studierte Psychologie in La Paz, Bolivien und absolvierte den MA Solo Dance Authorship am HZT Berlin. Sie ist Tänzerin, Performerin, DJ, Psychologin und bietet ganzheitliche Bewegungstherapie im Casa Kuà an. In ihren Performances arbeitet sie mit indigen-futuristischen Perspektiven und hatte u.a. Auftritte in den Sophiensälen oder im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Außerdem hat sie die Praxis Yoggaton entwickelt, die sie in Workshops und über YouTube-Videos vermittelt. Mehr zu ihr auf yoggaton.com und instagram.

Montag, 25. Oktober, 18-20h: Diskussion mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath

Weitere Informationen hierzu folgen demnächst.

Informationen zur Anmeldung und Teilnahme

Der Lesekreis findet in deutscher Lautsprache statt, lediglich das Gespräch im Oktober mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath erfolgt in englischer Lautsprache. Bei Bedarf kann aber auch auf Englisch gesprochen werden. Die Texte stehen leider nur auf Englisch zur Verfügung. Das Lesen der Texte ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Anmeldungen bitte bis zum 26.05.2021 an: contact@xartsplitta.net

Es wäre toll, wenn ihr bei eurer Anmeldung zu folgenden Punkten etwas schreiben würdet:

  • An welchen Terminen ihr teilnehmen möchtet.
  • Warum ihr euch für die Teilnahme am Lesekreis entschieden habt.
  • Auf welche Weise ihr euch bisher mit Queer of Colour Politik und Communities oder anderen Themen des Lesekreises beschäftigt habt.
  • Was eure Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf den Lesekreis sind.

Der Link für die Teilnahme wird dir zugesandt, sobald wir deine Anmeldung bestätigt haben. Der Link gilt für alle Termine.


Rena Onat ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und interessiert sich für Queer of Colour Kritik in Kunst und in der visuellen Kultur. Ihr Doktorarbeit hat sie zum Thema „Orientierungen. Queere Künstler_innen of Color und Verhandlungen von Disidentifikation, Überleben und (Un-)Archiving im deutschen Kontext“ an der Universität Oldenburg geschrieben. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt bei Antidiskriminierung im Kunst- und Hochschulkontext. Derzeit arbeitet sie als Frauenbeauftragte an der weißensee kunsthochschule berlin. Rena positioniert sich als deutschtürkische Femme of Colour und mag Pferde.

Saida-Mahalia Saad studiert Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Saida absolvierte den Bachelor in Kulturwissenschaften und ist gelernte*r Erlebnispädagoge*in. Saida arbeitet als Referent*in für politische Bildung mit den Schwerpunkten diskriminierungssensible Sprache, Rassismus, Empowerment, Gender und sexuelle Vielfalt. Zielgruppen umfassen dabei sowohl Schüler*innen, als auch Studierende, Lehrkräfte und Schulpädagog*innen. Bei xart splitta arbeitet Saida im Team des Lesekreises Queer of Colour Critique mit.


Diese Veranstaltung findet im Rahmen des, von der LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

DISSOLVING TERRITORIES | kulturgeographien eines neuen eelams III.I

Nahaufnahme von Flusswasser zeigt gebirgsartige Wellenformation

Teil III

**Alle Veranstaltungen finden online statt**

Wir freuen uns in diesem Jahr unsere Veranstaltungsreihe »Dissolving Territories| kulturgeographien eines neuen eelams« nach einer einjährigen Corona-bedingten Pause mit einer dritten Saison fortführen zu können.

»DISSOLVING TERRITORIES« beschäftigt sich mit Fragen von Exil, Vertreibung und Staatenlosigkeit aus einer gezielt eelam-tamilischen Perspektive. In dieser Reihe wird versucht, diese Lebensrealitäten und Erfahrungen in den Mittelpunkt zu rücken; Lebenswelten, die seit jeher sowohl innerhalb, als auch außerhalb Deutschlands ignoriert, deplatziert und zum Schweigen gebracht wurden. Mit dieser Reihe wollen wir die alltäglichen Erinnerungs- und Widerstandskulturen von Eelam Tamil:innen betrachten und den Versuch unternehmen, sowohl territoriale und kulturgeographische Fragen zu erörtern, als auch lokale Mythen rund um die Themen Flucht und Widerstand in Deutschland zu dekonstruieren.

Die dritte Saison von »Dissolving Territories« ist dem Aspekt der Solidarität zwischen verschiedenen unterdrückten und staatenlosen Völkern gewidmet: hierzu werden wir eelam-tamilische und kurdische Perspektiven zusammenbringen und hier explizit nach Schnittstellen in Bezug auf Erfahrungen im (deutschen) Exil eingehen. Themen, die wir ansprechen werden umfassen:

  • 7+ Digitale Landschaften
  • 8+ Stoffe und Kleidung
  • 9+ Geburten im Exil

Die Reihe »Dissolving Territories« wurde gemeinsam von Iris Rajanayagam (xart splitta) und Sinthujan Varatharajah initiiert und konzipiert. In der dritten Saison freuen wir uns Elif Küçük mit dabei zu haben, die sowohl konzeptionell/inhaltlich als auch in der künstlerischen Begleitung mitwirken wird.


7+ Digitale Landschaften

Mittwoch, 12. Mai 2021, 19h

Im Gespräch mit Duygu Örs

**Diese Veranstaltung findet online statt**

Welche Rolle spielt das Internet im Kontext für Staatenlosigkeit und Exil? Wie werden soziale Medien von staatenlosen Menschen und Exilant:innen genutzt? Welches Potential birgt das Internet für Menschen, die physisch voneinander getrennt leben? In welcher Beziehung stehen digitale Räume zu physischen Realitäten? Und wo sind potentielle Grenzen der Digitalisierung?

In der ersten Veranstaltung der dritten Staffel der Reihe »Dissolving Territories« beschäftigen wir uns mit digitalen Territorien und Entwicklungen im Kontext von Staatenlosigkeit und Exil. In diesem Zusammenhang sprechen wir mit Duygu Örs. Die Veranstaltung wird eingeleitet mit einen Impulsvortrag von Sinthujan Varatharajah. Hieran anschließend folgt eine Podiumsdiskussion mit:

  • Sinthujan Varatharajah und Duygu Örs
  • Moderation: Iris Rajanayagam (xart splitta)

Um einen Zugangslink für die Veranstaltung zu erhalten, bitten wir um Anmeldung über das Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Sinthujan Varatharajah ist politische*r Geograf*in, Essayist*in und Forscher*in in Berlin. Varatharajahs Arbeit konzentriert sich auf Geografien von Macht, Vertreibung und Staatenlosigkeit. 2020 war Varatharajah mit der Ausstellung “wie man* eine arche bewegt” Teil der 11. Berliner Biennale für Zeitgenössische Kunst. Im Frühjahr 2022 erscheint Varatharajahs erstes Buch bei Hanserblau.

Elif Küçük ist eine visuelle Künstlerin und Art Direktorin aus Berlin. Sie arbeitet mit den Mitteln der Foto- und Videografie, der digitalen Illustration und Animation. Im Fokus ihrer Arbeit stehen visuelle Auseinandersetzungen mit Zärtlichkeit, Solidarität und Widerstand. Seit Oktober 2020 arbeitet sie als Editorial Designerin bei ZEIT ONLINE, im Ressort ze.tt.

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt.


»Dissolving Territories« Teil III findet in Kooperation mit dem Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und im Rahmen des LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

Realisiert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.

Logo der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin

OFFENER BRIEF: Atlanta – War da was?

In Solidarität mit den rassistisch und sexistisch angegriffenen Asiatischen Communities veröffentlichen auch wir hier den offenen Brief vom 16. April 2021 der Projektgruppe des Asian Film Network (BAFNET), Deutsche Asiat*innen Make Noise (DAMN*), DIASPOR.ASIA, ichbinkeinvirus.org und korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V.:

For Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan and Yong Ae Yue 

Offener Brief 

Atlanta – War da was?
Gegen anti-asiatischen Rassismus und gesellschaftliches Schweigen! Für interkommunale Solidarität und dekoloniales Gedenken!

Heute genau vor einem Monat wurden am 16. März 2021 sechs asiatische Migrantinnen aus China und Korea sowie zwei weiße Klient*innen in drei asiatischen Massagesalons in Atlanta (Georgia) durch einen jungen weißen christlichen Fundamentalisten ermordet. Aktive aus asiatisch-diasporischen Communities veranstalteten am 23. März 2021 eine Gedenkfeier für die Opfer der rassistischen und sexistischen Attacken an der Friedensstatue gegen sexualisierte Gewalt an Frauen in Berlin. Außerdem fand  am 28. März 2021 eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor gegenüber der U.S.-Botschaft statt.

Wir sind diverse Menschen mit unterschiedlichen Geschichten aus verschiedenen asiatisch-deutschen Communities wie aus anderen asiatischen Diasporen. Wir solidarisieren uns aus einer transnationalen Perspektive mit den asiatisch-amerikanischen Communities. Mit unserem politischen Handeln wollen wir einen Beitrag leisten, anti-asiatischen Rassismus sichtbarer zu machen und unsere Perspektiven dagegen setzen. Dies kann nur im Zusammenhang mit der Bekämpfung von anderen Formen von Rassismus sowie Sexismus und Klassismus erfolgen! 

Mit Bestürzung müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die gesellschaftspolitische Bedeutung dieses anti-asiatischen Massenmords weder in den USA und noch weniger in Deutschland tatsächlich anerkannt wird. Politisch wurde das Massaker an unschuldigen und unbewaffneten Opfern bisher nicht als terroristischer Anschlag gewertet und strafrechtlich auch nicht als “racial hate crime” verfolgt. Dabei steht außer Frage, dass die Mordtat geplant war und mit menschenverachtender Brutalität auf asiatische Frauen in asiatisch-diasporischen Räumen zielt. Angesichts der Tragweite dieses Ereignisses sind wir enttäuscht und wütend, aber nicht überrascht, dass ein Großteil der deutschen Medien nur spärlich über dieses Ereignis berichtet und unzureichend über historische wie gesellschaftliche Hintergründe informiert. Auch die deutsche Politik und Gesellschaft hat diese Morde nicht zur Kenntnis genommen. Damit setzt sich eine Tradition fort, in der anti-asiatischer Rassismus in der Gesellschaft systematisch unterschätzt, meist institutionell negiert und immer noch zu oft unsichtbar gemacht wird.

Wir weigern uns, als Sündenbock für die Corona-Pandemie instrumentalisiert zu werden. Mehr als 3.750 Angriffe gegen Asian Americans wurden seit Anfang 2020 in den USA verzeichnet. Auch in Deutschland sind verbale und körperliche Angriffe auf asiatisch wahrgenommene Menschen sprunghaft angestiegen. Dass erst jetzt mit der statistischen Erhebung zu anti-asiatischem Rassismus begonnen wird, ist bezeichnend. Dabei ist anti-asiatischer Rassismus auch in Deutschland kein neues Phänomen. Spätestens mit der deutschen Kolonialisierung chinesischer und pazifischer Gebiete im 19. Jahrhundert etablierte sich in Deutschland ein systemischer anti-asiatischer Rassismus. Die rassistischen Pogrome 1991 in Hoyerswerda und 1992 in Rostock-Lichtenhagen, sowie die Ermordung etwa von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân 1980 in Hamburg, Phan Văn Toản 1997 in Fredersdorf, Duy-Doan Pham 2011 in Neuss und die Vergewaltigung sowie der Mord von Yangjie Li 2016 in Dessau verweisen auf historische Zusammenhänge. Unser Engagement gegen anti-asiatischen Rassismus ist grundlegend mit anti-rassistischen Kämpfen und historischen Erfahrungen von anderen Communities of Color verbunden. Dazu gehört beispielsweise die Auseinandersetzung mit dem NSU-Terror, dem Anschlag von Hanau oder unser Support für die Black Lives Matter-Bewegung. 

Ein Jahr nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau gibt es immer noch keine bundespolitische Gesamtstrategie gegen Rassismus. Weiterhin bleibt unklar, wie die vom Kabinettausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus vorgelegten Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Auch die Blockade des Demokratiefördergesetzes durch die CDU bringt einmal mehr zum Ausdruck, dass dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus keine Priorität eingeräumt und das Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht gewürdigt wird. 

Weiterlesen …OFFENER BRIEF: Atlanta – War da was?

Afrofilm Screening #6 I Diasporic Realities

afrofilm#6

Donnerstag, 22. April 2021, 19.30h

**Das Screening wird online stattfinden!**

afrofilm#6
Afrofilm #6

Willkommen zur sechsten Vorführung von Afrofilm & Diasporic Realities!

Afrofilm ist eine selbstorganisierte monatliche Vorführung von Filmen, die das Leben und die Erfahrungen von afrikanischen und afro-descendent Menschen aus verschiedenen geographischen Regionen erzählen. Wir werden Filme für uns selbst zeigen, was bedeutet, dass die Vorführung für ein geschlossenes Publikum für afro und afro-descendent Menschen ist.
Es gibt viel zu wissen und von uns allen zu lernen, und wir denken, dass Filme ein relevanter und effizienter Weg sind, dies zu ermöglichen.

Diesmal ist unser diasporischer Mix poetisch. Wir konzentrieren uns auf den künstlerischen Ausdruck jenseits des Live-Action-Films und zeigen Euch dazu ein Musikvideo, einen Tanzfilm, eine 2D-Animation und visuelle Poesie von Künstler:innen aus Brasilien, Kanada, Frankreich und Deutschland.
Nach der Vorführung von “Mar de Elas”, “Dein Brief“, “Black Soul” und “Black is me” gibt es eine Diskussionsrunde mit zwei der Filmemacher:innen zum Thema künstlerischer Ausdruck als politisches Werkzeug sowie ein Q&A.

Das Screening wird online stattfinden.
Bitte meldet euch an unter afroscreening@tutanota.com. Afrofilm Screening ist ein Safer Space für Schwarze Menschen, bitte schreibt bei der Anmeldung ein paar Worte über euch  – Vielen Dank!

Logo Afrofilm

Mehr Informationen über Afrofilm screenings sind auf Instagram zu finden: @afro.film.


Diese Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Projekt #CommunitiesSolidarischDenken statt.