DGS I & II Kurse mit dem Team von Lebendige Gebärden I Herbst 2021

Info-Bild DGS-Kurse im Herbst

DGS I: Mittwochs, 15. September – 1. Dezember 2021, 17:00-18:30h

DGS II: Dienstags, 14. September – 30. November 2021, 19:00-20:30h

**Diese Kurse finden online statt!**

Info-Bild DGS-Kurse im Herbst

Wir freuen uns, im Herbst wieder DGS Kurse (DGS I & DGS II) Kurs mit Diana Spieß und dem Team von Lebendige Gebärden anbieten zu können.

Der erste Kurs (DGS I) findet im Zeitraum vom 15. September bis 1. Dezember 2021 mittwochs von 17:00-18:30h online statt. Am 10. und 17. November findet kein Kurs statt!

Der zweite Kurs (DGS II) findet im Zeitraum vom 14. September bis 30. November dienstags von 19:00-20:30h online statt. Am 9. und 16. November findet kein Kurs statt!

Beide Kurse umfassen 10 Termine und werden von Marko Salutzki geleitet.

Zur Anmeldung oder bei Fragen zu den Teilnahmebedingungen, schreibt bitte bis zum 3. September 2021 eine E-Mail an: contact@xartsplitta.net.


Bitte beachtet folgende Hinweise:

  • Personen, die sich für DGS II anmelden möchten und nicht an einem DGS I Kurs bei xart splitta bzw. Lebendige Gebärden teilgenommen haben, werden gebeten, die Absolvierung der vorigen Niveaustufe(n) oder entsprechende Vorkenntnisse durch ein Skype-Interview nachzuweisen.
  • Eine Teilnahmebescheinigung kann von Lebendige Gebärden nur ausgehändigt werden, wenn eine Teilnahme am Kurs von 70% oder höher vorliegt.
  • Ein oder zwei Stunden vor dem Kursbeginn erhalten Teilnehmende eine E-Mail mit den Zugangsdaten und anderen wichtigen Informationen für die Kursteilnahme über Webcam.
  • Bei Kursbeginn wird eine dolmetschende Person anwesend sein.
  • Nach der Einführung erhalten Teilnehmende die Unterrichtsmaterialen per E-Mail und im Chat bei Zoom. Diese können im Nachhinein ausdruckt werden. Das Unterrichtsmaterial ist nur für teilnehmende Personen bestimmt und darf nicht an Dritte weitergegeben werden.

Kursinhalte DGS I:

In dieser ersten Kursstufe lernen die Teilnehmenden grundlegende Kenntnisse zur Deutschen Gebärdensprache wie das Fingeralphabet, Vokabeln, Fragewörter, Zahlen und einfache Sätze. Außerdem werden die Teilnehmenden in drei wichtigen Grundtechniken der Deutschen Gebärdensprache eingeführt: die visuelle Wahrnehmung, die Mimik und die nonverbale sowie gestische Kommunikation.

Sitzung 01 – Einführung Teil 1 – Grundtechniken der visuellen Modalität etc.
Sitzung 02 – Einführung Teil 2 – Grundtechniken der visuellen Modalität & Fragen
Sitzung 03 – Personalpronomen, Possessivpronomen, Demonstrativpronomen
Sitzung 04 – Ausdrücke für Bitten und Nachfragen, Bejahung und Verneinung
Sitzung 05 – Personenbezogene Richtungsverb, Benefaktivpronomen
Sitzung 06 – Vollverben „haben“ und „da sein“
Sitzung 07 – Grundzahlen
Sitzung 08 – Ordnungszahlen, Modalverben mit Alpha-Verneinung
Sitzung 09 – Bedeutung und Differenzierung von ZUSAMMEN
Sitzung 10 – Was gehört wem? und Wo ist das?

Kursinhalte DGS II:

Bei DGS II bekommst du einen weiteren Einblick in die Gehörlosenkultur. Natürlich machen wir auch mit der Gebärdensprache weiter. Die Vokabeln, die du schon bei DGS I gelernt hast, werden wiederholt, um sicherzugehen, dass du nichts vergessen hast. Dazu lernst du viele neue Vokabeln für Gefühle und Emotionen. Ein großes Thema bei DGS II ist Zeit: das heißt viele Gebärden für Wochentage, Monate und andere Zeitangaben. Zudem erfährst du, wie man Uhrzeiten auf DGS ausdrückt. Da kommt auch die Zeitlinie hinzu; sie ist ein wichtiger Teil der Grammatik der DGS, denn man drückt damit Tempus aus. Die Struktur von Aussage- und Entscheidungsfragesätzen wird geübt und die im Kurs gelernten Gebärden und Strukturen werden durch Dialogübungen gestärkt.

Sitzung 01 – Geschichte der Gehörlosenschule, Kultur der Gehörlosen
Sitzung 02 – Aussage oder Entscheidungsfragesatz
Sitzung 03 – Zeitlinien
Sitzung 04 – Die un- und bestimmte Zeitangaben
Sitzung 05 – Inkorporation bei „Woche“
Sitzung 06 – Inkorporation bei „Jahr“
Sitzung 07 – Euro und Cent
Sitzung 08 – Inkorporation bei „Woche“ – Übungen, Verben
Sitzung 09 – Inkorporation bei „Jahr“ – Übungen, Verben
Sitzung 10 – Bewegungsbeschreibung, Verbe


Foto Diana Spieß

Zu Diana Spieß:

“Bist DU taub? ICH bin es! GEBÄRDENSPRACHE IST SPANNEND, VIELFÄLTIG UND WOW!”

Diana Spieß wuchs in einer tauben und gebärdensprachnutzenden Familie als taub Geborene auf. Sie ist auf dem Gebiet der Gebärdensprache Muttersprachlerin. Von frühster Kindheit an bestand ihr Interesse an einem Austausch mit der hörenden Welt. Nach einer Ausbildung und der beruflichen Tätigkeit als Sozialpädagogische Assistentin, qualifizierte sie sich erfolgreich zur Gebärdensprachdozentin. Seitdem ist sie neben vielen anderen Sozial- und Schulprojekten im Bereich der Gebärdensprachvermittlung sehr aktiv.

Weitere Infomationen zu Diana Spieß und Lebendige Gebärden findet unter: www.lebendige-gebaerden.de


Diese Veranstaltung findet im Rahmen des, von der LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

Stellenausschreibung für die Projektleitung bei xart splitta

xart splitta e.V. sucht – vorbehaltlich der Finanzierung – ab dem 01. September 2021 bzw. zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Person zur Projektleitung und Geschäftsführung.

xart splitta ist eine Berliner Organisation mit einem Schwerpunkt auf die Themen Intersektionalität, post- und dekoloniale Theorie und Praxis, Erinnerungskulturen sowie Empowerment.

Die Stelle ist zunächst bis Dezember 2022 befristet, eine Verlängerung wird angestrebt. Es handelt sich um eine Teilzeitstelle mit 30-33 Stunden wöchentliche Arbeitszeit und einer Bezahlung in Anlehnung an 13 TVL.

Anforderungsprofil

  • Hochschulabschluss (M.A., Magister oder vergleichbar) bspw. in den Fächern Geschichte, Sozialwissenschaften, Kulturwissenschaften, Ethnologie, Politik, Gender Studies oder Vergleichbares
  • Mindestens ein Jahr Erfahrung in der Leitung von Projekten und im Projektmanagement
  • Mindestens ein Jahr Erfahrung in der Konzeption und Weiterentwicklung von Veranstaltungsprogrammen
  • Sehr gute Kenntnisse zu den Themen Intersektionalität, Black Feminist Thought, rassismus- und diskriminierungskritische Theorie und Praxis, post- und dekoloniale Theorie und Praxis, Empowerment sowie Kenntnisse zu den damit verbundenen aktuellen wissenschaftlichen und öffentlichen Diskursen
  • Erfahrung im Transfer und in der Verbindung von Theorie und Praxis
  • Erfahrung und gute Kenntnisse in den Bereichen Controlling, Finanzverwaltung und Buchhaltung, Akquise und Verwaltung von Drittmitteln sowie in der Vereinsarbeit
  • Sehr gute Erfahrung in Community-basierter Arbeit und mit kollaborativen Methoden der Projekt- und Programmentwicklung
  • Erfahrung sowohl mit dem Arbeiten in Teams als auch mit eigenständigem und eigeninitiativem Arbeiten
  • Vertraut mit der Arbeit und Reflektion in einem BIPoC Team und Vorstand
  • Sehr gute Kenntnisse der englischen Sprache in Wort und Schrift
  • Sehr gute Kenntnisse im Verfassen von öffentlichkeitswirksamen Texten
  • Erfahrungen mit Öffentlichkeitsarbeit

Überdies erfordert die Stelle:

  • Ein hohes Maß an Empathie und Einfühlungsvermögen
  • Kreativität und Flexibilität
  • Ein hohes Maß an strukturiertem und zielgerichtetem Arbeiten
  • Sehr gute Kenntnisse im Umgang mit MS-Office, gängigen Online-Conferencing-Tools und allen gängigen Social Media Kanälen
  • Wertschätzende Kommunikation

Aufgabengebiete umfassen unter anderem:

  • Projektleitung des von der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung (LADS) geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken
  • Co-Leitung des von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) finanzierten Projektes The Living Archives
  • Programmentwicklung und damit verbunden die Einwerbung von Drittmitteln
  • Konzeption und Durchführung von Einzelveranstaltungen und Projekten
  • Personalverantwortung
  • Kommunikation mit dem Vorstand des Vereins als auch mit der Berliner Landesstelle für Gleichbehandlung – gegen Diskriminierung der Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung
  • Lobbyarbeit
  • Netzwerkarbeit
  • Vertretung des Vereins und seinen Projekten nach außen

Wir möchten insbesondere queere BIPoC zu einer Bewerbung ermutigen!

Aussagekräftige Bewerbungen mit allen üblichen Anlagen bitte bis zum 29.07.2021 als eine PDF an: contact@xartsplitta.net.

Weitere Informationen zum Verein unter: www.xartsplitta.net.

Die Bewerbungsgespräche finden voraussichtlich am 02. und 03.08.2021 statt.

Wir freuen uns auf eure Bewerbungen!

Online Lese- und Gesprächskreis: Queer of Colour Critique

Buntes Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, von Stiften, Bilder und anderen Materialen

Mit Rena Onat und Saida-Mahalia Saad

31. Mai – 25. Oktober 2021

Buntes Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, von Stiften, Bilder und anderen Materialen
© Rena Onat und Saida-Mahalia Saad

An fünf aufeinanderfolgenden Terminen möchten wir uns mit verschiedenen theoretischen Ansätzen der Queer of Colour Critique auseinandersetzen.

Queer of Colour Critique bedeutet erstmal recht allgemein eine kritische Perspektive von als ‚queer‘ und ‚of Colour‘ positionierten Personen. Zwar gibt es keine einheitliche Gruppe von ‚Queers of Colour‘ – der Begriff bezeichnet eine Vielzahl von unterschiedlichen Identitäten und Erfahrungen und aktuell wird deswegen auch eher von QTIBIPoCs (QueerTransInter*Black and Indigenous People of Colour) geschrieben. Es gibt aber die Gemeinsamkeit, sowohl von Rassismus als auch von Homo- und/oder Transfeindlichkeit betroffen zu sein, also Mehrfachdiskriminierung zu erleben. Das bedeutet auch, dass es geteilte Erfahrungen und geteilte Widerstands-, Überlebens- und Empowermentstrategien gibt. Queer of Colour Critique richtet sich beispielsweise gegen Rassismus und Weißsein als Status Quo auch innerhalb politischer Bewegungen, wie der Frauenbewegung, der Homosexuellen-/Queeren-Bewegungen, Subkulturen und Szenen. Sie ermöglicht außerdem ein Sprechen über die eigenen Erfahrungen mit Homo- und Transfeindlichkeit in der Gesellschaft und teilweise auch in den eigenen Communities. Gerade das ist schwer, auf Grund der vielen rassistischen Stereotype, die wir nicht bedienen wollen.

Wir meinen mit Queer of Colour Critique aktivistische, theoretische und künstlerische Positionen. Einige der Theorien, die von QTIBIPoCs veröffentlicht wurden, wollen wir euch im Lesekreis vorstellen und mit euch diskutieren, weil wir denken, dass sie uns Worte geben für das, was wir selbst erleben und uns inspirieren und stärken können. Die Texte, die wir lesen wollen, sind von José Esteban Muñoz, Sara Ahmed, Gloria Anzaldúa, Riley Snorton und Jin Haritaworn. Zu unserer Session zu Gloria Anzaldúa haben wir Maque Pereyra als weiteren Gast eingeladen, da sie in ihrer künstlerischen Arbeit viele Bezüge zu Gloria Anzaldúa macht und wir gerne mehr darüber hören wollen. Für den Abschlusstermin im Herbst haben wir Chandra Frank und Gayatri Gopinath für ein gemeinsames Gespräch über Queer Diaspora und Archive eingeladen.

Fragen, die uns beschäftigen und über die wir gemeinsam nachdenken wollen, sind: Wie können wir es schaffen, dass Wissenschaft und Wissen, die QTIBIPoCs betreiben und hervorbringen, zurück in die Communities gelangen? Welche Bedeutung können auch unser Erfahrungswissen und unsere politische Praxis für diese Theorien und Konzepte haben? Inwieweit können diese Theorien auch im Sinne bell hooks als “Liberatory Practice” und “Healing Theory” verstanden werden? Und nicht zuletzt: Was machen wir damit, dass viele der Theorien aus den USA kommen und auf Englisch sind?

Wir wollen uns der Theorie aus der Perspektive unserer gemeinsamen Freund*innenschaft heraus annähern. Dinge, über die wir gerne sprechen, unsere persönlichen Erfahrungen als queere BIPoC Personen in Deutschland, sowie politische Praxis möchten wir mit Theorie verknüpfen. Wir möchten einen Raum schaffen, indem wir uns austauschen, bereichern und Theorie nicht nur als ‚akademisch produziert und nutzbar‘ verstehen können. Unsere Freund*innenschaft ist demnach ein wesentlicher Bestandteil unserer Gespräche über Theorie.

Die gemeinsamen Gespräche werden von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad angeleitet und finden ab dem 31. Mai online jeweils am Montag statt. Die Termine können einzeln oder zusammen besucht werden. Texte werden vorab verschickt. Das Lesen dieser ist nicht die Voraussetzung für eine Teilnahme.

Der Lese- und Gesprächskreis richtet sich ausdrücklich an Personen, die sich als Schwarze Menschen, Indigenous oder People of Colour identifizieren. Die Bereitschaft, sich mit BIPoC Queer- und Trans*themen auseinanderzusetzen ist Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs. Das Angebot findet bewusst außerhalb eines akademischen Settings statt und richtet sich explizit auch an Personen, die sich nicht innerhalb von akademischen Kreisen und Theorien bewegen. Grundlage für die Treffen ist eine gegenseitige Anerkennung unterschiedlicher Formen des Wissens und eigener Erfahrungen. Die (englischen!) theoretischen Texte, die für die jeweiligen Treffen gelesen werden können, werden dementsprechend immer von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad aufbereitet und in eigenen Worten als Input dem Austausch vorangestellt.

Programm des Lesekreises

Montag, 31. Mai, 18-20h: José Esteban Muñoz – Disidentification

Als erstes wollen wir mit euch über das Buch “Disidentification – Queers of Color and the Performance of Politics” (1999) von José Esteban Muñoz sprechen. Der Begriff Disidentification ist erstmal etwas abstrakt. Er bezeichnet jedoch eine Erfahrung, die viele von uns kennen, nämlich in verschiedenen Räumen immer nur mit einem Teil unserer Identität sein zu können, sich weder ganz zu identifizieren, noch sich gar nicht zu identifizieren. Etwas dazwischen. Muñoz ist Wissenschaftler in Performance Studies und erklärt Disidentification anhand verschiedener künstlerischer Arbeiten. Für ihn ist es gleichzeitig eine Überlebens- und Widerstandsstrategie und es kann zu etwas führen, was er “queeres worldmaking” nennt.

Montag, 28. Juni, 18-20h: Sara Ahmed – Orientierung und Queer Phenomenology

Sara Ahmed ist inzwischen sehr bekannt und wird viel diskutiert. Meistens geht es dabei viel um ihre Perspektiven auf Antidiskriminierung und Institutionenkritik oder um ihre Figur der “Feminist Killjoy”. Wir wollen mit euch darüber sprechen, was Sara Ahmed über Orientierung und Queere Phänomenologie zu sagen hat. Das ist ein theoretischer Ansatz, der nicht so einfach ist, nicht, weil Ahmed sich unnötig schwierig ausdrückt, sondern weil es komplexe Gedanken sind, die sie sich macht. Wir finden aber, dass es sich lohnt. Sie fragt danach, was es heißt, orientiert zu sein? Sie nimmt die Frage der Orientierung z.B. in sexueller Orientierung wörtlich. Aber sie fragt auch, was Orientierung und Orientalismus miteinander zu tun haben. Das Interessante an ihrem Ansatz ist, dass sie über strukturelle Machtverhältnisse nachdenkt, aber auch, wie diese Einfluss auf unsere Körper haben. Denn der Körper ist der Ausgangspunkt von Orientierung und Wahrnehmung.

Montag, 26. Juli, 18-20h: Jin Haritaworn & Riley Snorton – “Transnecropolitics”

In ihrem gemeinsamen Text reflektieren Jin Haritaworn und Riley Snorton über Politiken im Umgang mit dem Tod von Trans* Personen of Colour. Die Forderung, dass wir Platz für die Perspektiven von (lebenden) Trans* of Colour schaffen müssen, wird immer noch häufig abgewehrt als “PC that goes too far”, als politisch-korrekt was zu viel verlangt sei, wie Jin Haritaworn erklärt. Bei Veranstaltungen wie dem Transgender Day of Remembrance, bei dem an Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht wird, sind es jedoch größtenteils Namen nicht-weißer Trans* Menschen, die verlesen werden. Wann bekommen also Trans* of Colour Aufmerksamkeit innerhalb von Queer und Trans Aktivismus? Was genau meint “Transnecropolitics”? Was können wir auch lernen über Politiken der Erinnerung und des Gedenkens?

Montag, 27. September, 18-20h: Gloria Anzaldúa – Borderlands
mit Maque Pereyra Queen of Yoggaton (wahrscheinlich auf Englisch)

Gloria Anzaldúas Buch “Borderlands / La Frontera” ist bereits von 1987. Sie ist eine Theoretikerin, die lange Zeit nur sehr wenig beachtet wurde, gerade auch innerhalb der Queer Theory. Dabei ist sie eine der ersten, die dazu geschrieben hat. Sie schreibt ausgehend von ihrer Erfahrung als queerer Chicana, aufgewachsen im “Borderland” zwischen den heutigen USA und Mexico. Sie schreibt über koloniale Grenzziehungen aber auch über Grenzen durch den Körper, durch Sprache sowie über Spiritualität. Bereits mit der Form ihres Textes leistet Gloria Anzaldúa Widerstand gegen das, was sie kritisiert, indem sie vermeintliche Gegensätze zusammenbringt: Sie mischt geschichtliche und theoretische Ausführungen mit Gedichten, kombiniert ihr Erfahrungswissen mit Wissen zu Geschichte, Ethnologie, präkolumbianischer Mythologie und Politik. Sie schreibt einzelne Wörter oder ganze Passagen auf Spanisch – wohlwissend, dass ein Teil der englischsprachigen Leser*innen diese Textteile nicht verstehen wird. Anzaldúa teilt mit uns nicht nur ihre Analysen und Erfahrungen sondern viele Visionen und Utopien.

Maque Pereyra studierte Psychologie in La Paz, Bolivien und absolvierte den MA Solo Dance Authorship am HZT Berlin. Sie ist Tänzerin, Performerin, DJ, Psychologin und bietet ganzheitliche Bewegungstherapie im Casa Kuà an. In ihren Performances arbeitet sie mit indigen-futuristischen Perspektiven und hatte u.a. Auftritte in den Sophiensälen oder im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Außerdem hat sie die Praxis Yoggaton entwickelt, die sie in Workshops und über YouTube-Videos vermittelt. Mehr zu ihr auf yoggaton.com und instagram.

Montag, 25. Oktober, 18-20h: Diskussion mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath

Weitere Informationen hierzu folgen demnächst.

Informationen zur Anmeldung und Teilnahme

Der Lesekreis findet in deutscher Lautsprache statt, lediglich das Gespräch im Oktober mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath erfolgt in englischer Lautsprache. Bei Bedarf kann aber auch auf Englisch gesprochen werden. Die Texte stehen leider nur auf Englisch zur Verfügung. Das Lesen der Texte ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Anmeldungen bitte bis zum 26.05.2021 an: contact@xartsplitta.net

Es wäre toll, wenn ihr bei eurer Anmeldung zu folgenden Punkten etwas schreiben würdet:

  • An welchen Terminen ihr teilnehmen möchtet.
  • Warum ihr euch für die Teilnahme am Lesekreis entschieden habt.
  • Auf welche Weise ihr euch bisher mit Queer of Colour Politik und Communities oder anderen Themen des Lesekreises beschäftigt habt.
  • Was eure Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf den Lesekreis sind.

Der Link für die Teilnahme wird dir zugesandt, sobald wir deine Anmeldung bestätigt haben. Der Link gilt für alle Termine.


Rena Onat ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und interessiert sich für Queer of Colour Kritik in Kunst und in der visuellen Kultur. Ihr Doktorarbeit hat sie zum Thema „Orientierungen. Queere Künstler_innen of Color und Verhandlungen von Disidentifikation, Überleben und (Un-)Archiving im deutschen Kontext“ an der Universität Oldenburg geschrieben. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt bei Antidiskriminierung im Kunst- und Hochschulkontext. Derzeit arbeitet sie als Frauenbeauftragte an der weißensee kunsthochschule berlin. Rena positioniert sich als deutschtürkische Femme of Colour und mag Pferde.

Saida-Mahalia Saad studiert Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Saida absolvierte den Bachelor in Kulturwissenschaften und ist gelernte*r Erlebnispädagoge*in. Saida arbeitet als Referent*in für politische Bildung mit den Schwerpunkten diskriminierungssensible Sprache, Rassismus, Empowerment, Gender und sexuelle Vielfalt. Zielgruppen umfassen dabei sowohl Schüler*innen, als auch Studierende, Lehrkräfte und Schulpädagog*innen. Bei xart splitta arbeitet Saida im Team des Lesekreises Queer of Colour Critique mit.


Diese Veranstaltung findet im Rahmen des, von der LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

OFFENER BRIEF: Atlanta – War da was?

In Solidarität mit den rassistisch und sexistisch angegriffenen Asiatischen Communities veröffentlichen auch wir hier den offenen Brief vom 16. April 2021 der Projektgruppe des Asian Film Network (BAFNET), Deutsche Asiat*innen Make Noise (DAMN*), DIASPOR.ASIA, ichbinkeinvirus.org und korientation. Netzwerk für Asiatisch-Deutsche Perspektiven e.V.:

For Daoyou Feng, Hyun Jung Grant, Suncha Kim, Soon Chung Park, Xiaojie Tan and Yong Ae Yue 

Offener Brief 

Atlanta – War da was?
Gegen anti-asiatischen Rassismus und gesellschaftliches Schweigen! Für interkommunale Solidarität und dekoloniales Gedenken!

Heute genau vor einem Monat wurden am 16. März 2021 sechs asiatische Migrantinnen aus China und Korea sowie zwei weiße Klient*innen in drei asiatischen Massagesalons in Atlanta (Georgia) durch einen jungen weißen christlichen Fundamentalisten ermordet. Aktive aus asiatisch-diasporischen Communities veranstalteten am 23. März 2021 eine Gedenkfeier für die Opfer der rassistischen und sexistischen Attacken an der Friedensstatue gegen sexualisierte Gewalt an Frauen in Berlin. Außerdem fand  am 28. März 2021 eine Kundgebung vor dem Brandenburger Tor gegenüber der U.S.-Botschaft statt.

Wir sind diverse Menschen mit unterschiedlichen Geschichten aus verschiedenen asiatisch-deutschen Communities wie aus anderen asiatischen Diasporen. Wir solidarisieren uns aus einer transnationalen Perspektive mit den asiatisch-amerikanischen Communities. Mit unserem politischen Handeln wollen wir einen Beitrag leisten, anti-asiatischen Rassismus sichtbarer zu machen und unsere Perspektiven dagegen setzen. Dies kann nur im Zusammenhang mit der Bekämpfung von anderen Formen von Rassismus sowie Sexismus und Klassismus erfolgen! 

Mit Bestürzung müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass die gesellschaftspolitische Bedeutung dieses anti-asiatischen Massenmords weder in den USA und noch weniger in Deutschland tatsächlich anerkannt wird. Politisch wurde das Massaker an unschuldigen und unbewaffneten Opfern bisher nicht als terroristischer Anschlag gewertet und strafrechtlich auch nicht als “racial hate crime” verfolgt. Dabei steht außer Frage, dass die Mordtat geplant war und mit menschenverachtender Brutalität auf asiatische Frauen in asiatisch-diasporischen Räumen zielt. Angesichts der Tragweite dieses Ereignisses sind wir enttäuscht und wütend, aber nicht überrascht, dass ein Großteil der deutschen Medien nur spärlich über dieses Ereignis berichtet und unzureichend über historische wie gesellschaftliche Hintergründe informiert. Auch die deutsche Politik und Gesellschaft hat diese Morde nicht zur Kenntnis genommen. Damit setzt sich eine Tradition fort, in der anti-asiatischer Rassismus in der Gesellschaft systematisch unterschätzt, meist institutionell negiert und immer noch zu oft unsichtbar gemacht wird.

Wir weigern uns, als Sündenbock für die Corona-Pandemie instrumentalisiert zu werden. Mehr als 3.750 Angriffe gegen Asian Americans wurden seit Anfang 2020 in den USA verzeichnet. Auch in Deutschland sind verbale und körperliche Angriffe auf asiatisch wahrgenommene Menschen sprunghaft angestiegen. Dass erst jetzt mit der statistischen Erhebung zu anti-asiatischem Rassismus begonnen wird, ist bezeichnend. Dabei ist anti-asiatischer Rassismus auch in Deutschland kein neues Phänomen. Spätestens mit der deutschen Kolonialisierung chinesischer und pazifischer Gebiete im 19. Jahrhundert etablierte sich in Deutschland ein systemischer anti-asiatischer Rassismus. Die rassistischen Pogrome 1991 in Hoyerswerda und 1992 in Rostock-Lichtenhagen, sowie die Ermordung etwa von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân 1980 in Hamburg, Phan Văn Toản 1997 in Fredersdorf, Duy-Doan Pham 2011 in Neuss und die Vergewaltigung sowie der Mord von Yangjie Li 2016 in Dessau verweisen auf historische Zusammenhänge. Unser Engagement gegen anti-asiatischen Rassismus ist grundlegend mit anti-rassistischen Kämpfen und historischen Erfahrungen von anderen Communities of Color verbunden. Dazu gehört beispielsweise die Auseinandersetzung mit dem NSU-Terror, dem Anschlag von Hanau oder unser Support für die Black Lives Matter-Bewegung. 

Ein Jahr nach dem rassistischen Terroranschlag in Hanau gibt es immer noch keine bundespolitische Gesamtstrategie gegen Rassismus. Weiterhin bleibt unklar, wie die vom Kabinettausschuss gegen Rechtsextremismus und Rassismus vorgelegten Maßnahmen umgesetzt werden sollen. Auch die Blockade des Demokratiefördergesetzes durch die CDU bringt einmal mehr zum Ausdruck, dass dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus keine Priorität eingeräumt und das Engagement von zivilgesellschaftlichen Organisationen nicht gewürdigt wird. 

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Pressemitteilung des Bündnisses #GegenBerufsverbot 2/2021

Nachfolgend findet ihr eine aktuelle Pressemitteilung des Bündnisses #GegenBerufsverbot, an dem sich xart splitta seit Ende 2019 beteiligt:

BERLINER BILDUNGSVERWALTUNG IGNORIERT SEIT JAHREN HÖCHSTRICHTERLICHE RECHTSPRECHUNG – EIN ARMUTSZEUGNIS!

Berlin, 15. Februar 2021: Das Bundesarbeitsgericht bestätigte am 27.08.2020 die Verurteilung des Landes Berlin zu einer Entschädigungszahlung nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Nun liegt die schriftliche Begründung der rechtskräftigen Entscheidung vor: Die diskriminierende Einstellungspraxis der Bildungsverwaltung widerspricht der Entscheidung des Bundesverfassungs-gerichts von 2015, nach der das Kopftuch im Unterricht nicht pauschal ablehnt werden darf. Die Bildungsverwaltung ignoriert die Entscheidung und will den Rechtsstreit vor das Bundesverfassungsgericht bringen.

„Die Senatsverwaltung für Bildung missachtet seit Jahren höchstrichterliche Rechtsprechung und scheut sich nicht vor weiteren Niederlagen. Auch wohl nicht vor dem Bundesverfassungsgericht, wo Frau Scheeres entgegen gravierender rechtlicher Bedenken eine Verfassungsbeschwerde einreichen will. An der diskriminierenden Einstellungspraxis hat sich in Berlin auch nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts nichts geändert, muslimischen Lehrerinnen wird ein gleichberechtigter Zugang weiterhin verwehrt! Die Verurteilungen zu lächerlichen Entschädigungs- und Vergleichszahlungen schmerzen nicht, diese Ignoranz sollte Konsequenzen haben“, so Zeynep Çetin von Inssan e.V.

„Das Urteil des Bundesarbeitsgerichtes in Erfurt stellt eine hochrangige Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit des Arbeitsverbots bzw. des sog. Neutralitätsgesetzes und der Religionsfreiheit muslimischer Frauen* in Deutschland dar. Auch hat das Urteil symbolischen Wert und erinnert Politik und Gesellschaft daran, dass die Kriminalisierung und der Ausschluss von Muslim*innen falsch ist und verhindert werden muss“, so  Miriam Aced vom Bündnis #GegenBerufsverbot.

Gabriele Boos-Niazy vom Aktionsbündnis muslimischer Frauen (AmF) kommentierte: „Schon im August 2020 schrieb das BAG in seiner Pressemitteilung der Berliner Senatsverwaltung ins Stammbuch, dass die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts auch für sie Geltung haben. Die nunmehr seit fast sechs Jahren anhaltende Missachtung dieses Grundsatzes unserer Rechtsordnung ist ein fatales Signal nicht nur gegenüber den unmittelbar betroffenen Frauen, sondern weit darüber hinaus. Es ist höchste Zeit, dass der Senat sich an die selbst gesetzten Richtlinien seiner Regierungspolitik hält, in denen er verspricht: „Der Senat setzt sich für einen diskriminierungsfreien Zugang zu Ausbildung und Beruf ein.“

Seit 2017 wehrte sich die Klägerin gegen die Ablehnung durch das Land Berlin, mit Kopftuch an der Schule zu unterrichten. Sie verklagte das Land Berlin auf Schadenersatz wegen Diskriminierung aufgrund der Religion nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Die Klage wurde in erster Instanz abgewiesen. In zweiter Instanz entschied das Landesarbeitsgericht Berlin jedoch zugunsten der Klägerin und sprach ihr Recht zu und verurteilte das Land zur Zahlung einer Entschädigung. Das Land Berlin könne sich für die Ablehnung der Bewerbung nicht auf das sog. Neutralitätsgesetz berufen. Das sog. Neutralitätsgesetz verstoße gegen die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts, an die es gebunden ist. Ein pauschales Berufsverbot für muslimische Lehrerinnen mit Kopftuch ist unzulässig. Das Land Berlin war gegen das Urteil vorgegangen und hatte Revision beim Bundesarbeitsgericht eingelegt.

Pressemitteilung als PDF


Über das Bündnis #GegenBerufsverbotDas Bündnis #GegenBerufsverbot ist ein Zusammenschluss mehrerer Organisationen und Privatpersonen, die zum Thema Anti-Rassismus und Feminismus arbeiten und in der Debatte um das sogenannte Neutralitätsgesetz sowohl die Betroffenenperspektive als auch menschen-, bürger- und frauen*rechtliche Argumente sichtbar macht.

Kontakt:

Email: info@gegenberufsverbot.de

Homepage: https://gegenberufsverbot.de/