Reihe: DISSOLVING TERRITORIES | kulturgeographien eines neuen eelams

Teil II

Im zweiten Teil von »Dissolving Territories« werden aus einer dezidiert tamilischen Perspektive unterschiedliche Fragen im Kontext der gewaltvollen Vertreibung von Staatsgebieten und der Schaffung von neuer sozialen Landschaften, Infrastrukturen und Kommunikationskanäle beleuchtet und diskutiert. «Dissolving Territories« bemüht sich in der Bearbeitung und Analyse dieser Fragen gezielt eelam-tamilische Stimmen und Ansätze in den Mittelpunkt zu rücken; Stimmen und Lebenswelten, die seit jeher von ungehört bleiben. Mit dieser Reihe wollen wir Erinnerungskulturen und die Konstruktion von Narrativen durch die Linse eines tamilischen Standpunktes betrachten und damit den Versuch unternehmen, sowohl territorial und kulturgeographische Fragen zu erörtern, als auch lokale Mythen rund um die Themen Flucht und Widerstand in Deutschland zu dekonstruieren.


6+ Frequencies

Donnerstag, 20. Juni 2019, 19h @ aquarium am Südblock

Gesprächspartnerin: Maya Bastian (via Skype)

© Sinthujan Varatharajah

Wie hören wir (von) einander in der Verdrängung? Wie werden Stimmen, Lieder und Gedächtnisklänge über Entfernungen transportiert? Hat das Exil einen Klang?

In unserer letzten Sitzung für dieses Jahr werden wir die Klanglandschaften des Exils erforschen, indem wir darüber nachdenken, was Töne und Geräusche unter solchen Bedingungen bedeuten können: wie sie sich unter Massenverlagerungen bewegen, verändern und manifestieren. Mit der Zentrierung der Rolle von Kommunikationsmedien, von Telefonleitung über Radiosender bis zu Viber, versuchen wir, die vielfältigen Bedeutungen modernen Technologie für ein staatenloses Volk zu verstehen.

Dieses mal wird auch eine Zusammenarbeit mit der bildenden Künstlerin Elif Kücük stattfinden: https://castorxpollux.com/

Sinthujan Varatharajah hat gemeinsam mit Iris Rajanayagam (Leitung xart splitta) die Reihe »Dissolving Territories« initiiert und konzipiert. Varatharajah ist Essayist*in, Researcher und derzeit Open City Fellow der Open Society Foundation sowie Doktorand*in in Politischer Geographie (UCL). Sinthujan arbeitet und forscht zum Thema Geographien der (Ohn)Macht und räumlichen Widerstandspraktiken und hat einen MSc. in Race, Ethnicity and Postcolonial Studies (LSE).

Maya Bastian ist Filmemacherin und konzentriert sich auf Kurzfilme und Dokumentationen, die auf internationalen Festivals gezeigt wurden. Ihre Filme, die sich vor allem mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit befassen, reichen von narrativ über dokumentarisch bis experimentell. Als investigative Videojournalistin hat sie mehrere Jahre lang die Welt bereist und Bereiche von Konflikten und Post-Konflikten dokumentiert, bis hin zu ihrem neuesten narrativen Kurzfilm “Air Show” über die Auswirkungen der Toronto Air Show auf Neuankömmlinge.
Sie erhielt den Magee TV Diverse Screenwriting Mentorship Award 2017, der als einer der Emerging 20 des Reelworld Film Festivals ausgewählt wurde, und wurde kürzlich beim Regent Park Film Festivals zum Home Made Visible artists gewählt. www.mayabastian.com/

Die Veranstaltung findet in englischer Lautsprache statt. Der Veranstaltungsort ist mit Rollstuhl erreichbar. Eine Rollstuhlgerechte Toilette ist vorhanden.


5+ Logistik

Mittwoch, 05. Juni 2019, 19h, @ aquarium am Südblock

Gesprächspartner: Thevagar Mohanadhasan

© Google Maps

Die Vertreibung von Menschen führt nicht nur zur Deplatzierung von Körpern, sondern auch zur Verlagerung ihrer Essgewohnheiten. Diese sind das Spiegelbild spezifischer Geographien, Topographien, Klimata, Geschichten und Kulturen, die daraus entstanden sind/entstehen. Doch was geschieht, wenn Menschen aus diesen historischen (Kultur)Landschaften, gegen ihren Willen, herausgerissen werden und sich in komplett neuen, für sie fremden Geographien und Klimata wiederfinden müssen?

In der fünften Episode von “Dissolving Territories – Kulturgeographien eines neuen Eelams” beschäftigen wir uns mit den Fragen, wie im Exil (was) gegessen wird, welche Bedeutungen dem Essen im Exil zugeschrieben werden, wie geographische Verschiebungen sich in Geschmacksnoten ausdrücken können und welche Rolle tamilische Läden/Supermärkte in einem solchen Kontext spielen. Im Mittelpunkt des Abends steht die Geschichte der Schaffung einer transnationalen Nahrungskette und Infrastruktur, welche durch das Überbrücken von klimatischen und anderen geographischen Grenzen, die tamilische Exilküche überhaupt ermöglicht hat.

Sinthujan Varatharajah hat gemeinsam mit Iris Rajanayagam (Leitung xart splitta) die Reihe »Dissolving Territories« initiiert und konzipiert. Varatharajah ist Essayist*in, Researcher und derzeit Open City Fellow der Open Society Foundation sowie Doktorand*in in Politischer Geographie (UCL). Sinthujan arbeitet und forscht zum Thema Geographien der (Ohn)Macht und räumlichen Widerstandspraktiken und hat einen MSc. in Race, Ethnicity and Postcolonial Studies (LSE).

Thevagar Mohanadhasan studiert Philosophie, Politik und Volkswirtschaftslehre an der Georg-August Universität in Göttingen. Neben dem Studium engagiert er sich in zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind Europapolitik, Internationale Beziehungen und Migrationspolitik.

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt. Der Veranstaltungsort ist mit Rollstuhl erreichbar. Eine Rollstuhlgerechte Toilette ist vorhanden.


4+ Flughafen

Mittwoch, 22. Mai 2019, 19h, @ aquarium am Südblock

Gastgesprächspartnerin: Nahed Awwad

© Google Maps

Flughäfen werden oft als sogenannte nicht-Orte umschrieben. Doch was genau bedeutet dies?

Kein Flughafen der Welt kann heutzutage ohne eine Armada von Menschen, die hinter, vor und unter den Kulissen des regulären Flughafenbetriebs schuften, funktionieren. Flughäfen sind mittlerweile kapitalistische (privat) unternehmen, die nicht nur die Mobilität von Millionen von Menschen ermöglichen, sondern auch den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen erwirtschaften. In vielen Orten sind Flughäfen wichtige Arbeitgeber*innen, die zehntausende von Menschen beschäftigen. Für sie ist der Flughafen weder ein Durchgangstor noch ein Transitort ist: er ist ein Fixpunkt in ihrem Leben.

Doch nicht alle, die Flughäfen als Teil ihres Arbeitsalltags zählen, dürfen diese durch die gläsernen und futuristischen Eingänge schreiten, durch die reisende den Ort betreten und erfahren. Menschen, die im Niedriglohnsektor in Flughäfen arbeiten, beschreiten diesen durch zahllose Hintertüren, durch die sie auch wieder lautlos verschwinden sollen. hierzu gehören auch tausende von tamilischen Arbeiter*innen.

Sie sind heute als Putzkräfte, Gepäckabfertiger*innen oder Sicherheitsbeamt*innen in Flughäfen weltweit beschäftigt. ihre Hautfarbe oder vermeintliche Herkunft wurde zu ihrer uniform. Viele von ihnen sind ehemalige Asylbewerber*innen, die der rassistischen Verfolgung und dem Völkermord an dem tamilischen Volk in Sri Lanka mit Flugzeugen entkommen sind. Sie arbeiten heute oft genau an den Orten, an denen sie damals als reisende ohne Retourticket ankamen.

Was bedeutet es wenn Menschen, die damals Flughäfen betraten, um nirgends anzukommen, heute die reisen mobiler, privilegierter Staatsbürger*innen ermöglichen? Wenn Flughäfen nicht-Orte sind, sind sie dann nicht-Menschen?

Im Rahmen der Veranstaltung zeigen wir Ausschnitte aus dem Film »5 Minutes from Home« von Nahed Awwad: www.nahedawwad.com/5-minutes-from-home/

Sinthujan Varatharajah hat gemeinsam mit Iris Rajanayagam (Leitung xart splitta) die Reihe »Dissolving Territories« initiiert und konzipiert. Varatharajah ist Essayist*in, Researcher und derzeit Open City Fellow der Open Society Foundation sowie Doktorand*in in Politischer Geographie (UCL). Sinthujan arbeitet und forscht zum Thema Geographien der (Ohn)Macht und räumlichen Widerstandspraktiken und hat einen MSc. in Race, Ethnicity and Postcolonial Studies (LSE).

Nahed Awwad ist eine unabhängige Filmemacherin; sie hat mit bekannten palästinensischen Filmemacher*innen, lokalen palästinensischen Fernsehsendern und später internationalen Netzwerken zusammengearbeitet. Im Jahr 2004 erhielt sie ihr Filmdiplom von der Europäischen Filmhochschule in Dänemark und hat acht Dokumentarfilme zwischen Experimental-, Kurz- und Spielfilm veröffentlicht. Awwads Filme wurden auf verschiedenen internationalen Filmfestivals gezeigt, darunter das HotDocs Filmfestival, Kanada 2013, das Dubai International Film Festival 2012, das Vision du Reel Film Festival, Nyon, Schweiz 2005 und 2008 und das Cannes Film Festival 2008 (Cinema Sud). Im Jahr 2009 erhielt sie den International Trailblazer Tribute -Middle East Trailblazer in MIPDOC.

Die Veranstaltung findet in englischer Lautsprache statt. Der Veranstaltungsort ist mit Rollstuhl zu erreichen. Eine Rollstuhlgerechte Toilette ist vorhanden.

»Dissolving Territories« Teil II wird gefördert von der Berliner Landeszentrale für politische Bildung.


Teil I

In dieser Veranstaltungsreihe werden aus einer dezidiert tamilischen Perspektive  unterschiedliche Fragen im Kontext des Lebens in der Diaspora/im Exil  beleuchtet und diskutiert. Es soll darum gehen, in der Bearbeitung und Analyse dieser Fragen gezielt eelam-tamilische Stimmen und Ansätze in den Mittelpunkt zu rücken; Stimmen, die seit jeher von verschiedenen Seiten marginalisiert und zum Schweigen gebracht werden und/oder ungehört bleiben. Wir wollen Erinnerungskulturen und die Konstruktion von Narrativen durch die Linse eines tamilischen Standpunktes betrachten und damit den Versuch unternehmen, sowohl Fragen von Identität und Zugehörigkeit zu erörtern als auch hiesige Mythen rund um die Themen Migration, Flucht und Widerstand in Deutschland zu dekonstruieren.


3+ Tod

26. April 2018, 20h @ Mosaik-KulturEtage, Oraninestr. 34 (Hinterhaus), 10999 Berlin.

Mit Senthuran Varatharajah und Sinthujan Varatharajah.

Was bedeutet es im Exil zu Sterben? Was passiert mit den Körpern von staatenlosen Menschen nach deren Ableben? Welche Auswirkungen haben Vertreibung und Grenzpolitiken auf Todesrituale von Exilant*innen? Und welche Rolle spielt die Frage von Vetreibung und Landlosigkeit beim Sterben?

Welche Rolle spielt der Tod für die, die vor ihm fliehen konnten? Wie verhält sich die Diaspora zu ihm, der der Grund war, das es eine Diaspora gibt?

Diesen Fragen werden wir uns in der dritten und vorerst letzten Veranstaltung innerhalb der Reihe “Dissolving Territories” widmen.

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt. Fragen können auf englisch gestellt werden. Der Ort ist mit Rollstuhl erreichbar, am U-Bahnhof Kottbussertor ist ein Fahrstuhl vorhanden.

Senthuran Varatharajah studierte Philosophie, ev. Theologie und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London. 2016 veröffentlichte er seinen mehrfach preisgekrönten Debütroman „Vor der Zunahme der Zeichen“ (S. Fischer), der u.a. mit dem 3Sat-Preis während der 38. Tage der deutschsprachigen Literatur, dem Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste, dem Berliner Senatsstipendium, dem Kranichsteiner Literaturförderpreis, dem Bremer Literaturförderpreis, dem Chamisso-Förderpreis und dem Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet wurde.


2+ Ästhetiken

Audioaufnahme der Veranstaltung (Eng.)

Donnerstag, 05. April, 19 Uhr @ aquarium am Südblock

Gesprächspartnerin: Bafta Sarbo

Welche Rolle spielt Ästhetik in gegenwärtigen Protesten? Benötigen Gerechtigkeits- und Menschenrechtsproteste tiefergehendes Design und Kommunikationsstrategien, um Erfolg zu haben? Und welche Rollen spielen Rassifizierung und Klasse in solchen Bewegungen? Im zweiten Teil von Dissolving Territories werden wir uns mit Fragen der Ästhetik des Widerstands beschäftigen. Anhand von Beispielen von eelamtamilischen Protesten im Exil werden wir die Geschichte dieser Proteste, ihre Kommunikations- und Designstrategien erforschen und sie den Ästhetikpraktiken
anderer gegenwärtiger Protestbewegungen gegenüberstellen.

Sprachen: Englische Lautsprache. Übersetzung in die deutsche Lautsprache kann, wenn nötig, angeboten werden. Bitte kontaktiert uns, falls ihr Übersetzung braucht.

Informationen zu Barrieren: Der Veranstaltungsort, inkl. der Toilette, ist mit Rollstuhl zu erreichen. Am U-Bahnhof Kottbusser Tor ist ein Fahrstuhl vorhanden. http://www.suedblock.org/wp/category/aquarium/

Bafta Sarbo wurde in Deutschland als Tochter von geflüchteten Oromo, die hier im Exil leben, geboren. Aufgewachsen in Frankfurt am Main, lebt sie nun in Berlin und studiert Sozialwissenschaften im Master. Bafta ist darüber hinaus Mitglied im Vorstand der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund). Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Marxistischer Gesellschaftstheorie, (Anti-)Rassismus und Migrationspolitik.


1+  ARCHIPEL
Donnerstag, 22. März 2018, 19h im aquarium am Süblock

Gesprächspartnerin: Prashanthy Sekaram

Audioufnahme der Veranstaltung (Eng.).

Wie kann Zuhause losgelöst von Grenzen erzählt und im Alltag neu verhandelt bzw. geschaffen werden? Kann ein verlorenes Land im Intimen, im persönlichen Wohnraum neu designed und aufrechterhalten werden? Und wie definiert sich die Frage der territorialen Zugehörigkeit über den persönlichen Wohnraum im Exil?

Diesen Fragen und mehr wollen wir uns in der Auftaktveranstaltung unserer dreiteiligen Reihe „Dissolving Territories | kulturgeographien eines neuen eelams“ widmen. Hierfür untersuchen wir  unterschiedliche Wohnräume im Exil lebender tamilischen Individuen und Familien davon ausgehend, welche Kontinuität und Erinnerungen sich in Alltagsgebrauchsgegenständen manifestieren und ob sie zu einer territorialen Loslösung von der verlorenen Heimat beitragen können.

In diesem Zusammenhang fragen wir auch nach räumlichen Erinnerungskultur(en); welche Narrative kommen vor, werden erzählt/repräsentiert? Welche Traumata tragen wir über Generationen hinweg und wie verorten sie sich Wohnraum?

Sinthujan Varatharajah hat gemeinsam mit Iris Rajanayagam (Leitung xart splitta) die Reihe »Dissolving Territories« initiiert und konzipiert. Varatharajah ist Essayist*in, Researcher und derzeit Open City Fellow der Open Society Foundation sowie Doktorand*in in Politischer Geographie (UCL). Sinthujan arbeitet und forscht zum Thema Geographien der (Ohn)Macht und räumlichen Widerstandspraktiken und hat einen MSc. in Race, Ethnicity and Postcolonial Studies (LSE).