Bewegungsgeschichte*n re/visited: Gespräche mit Zeitzeug*innen

Montag, 1. April, 19h

 

1970er bis Anfang der 1990er Jahre: Schwarze Communities und Communites of Color: Ausgangspositionen – Begegnungen –Erkundungen


Mit: Anita Awosusi, Kook-Nam Cho-Ruwwe, Arfasse Gamada und Katja Kinder. Moderation: Nicola Lauré al-Samarai

Es hat in Deutschland zu verschiedenen Zeiten verschiedene bewegungspolitische Momente und Anfänge gegeben. Oft sind diese Beginnings mit einzelnen Personen verknüpft; oft hängen individuelle und kollektive Bewusstwerdungsprozesse eng miteinander zusammen, beeinflussen und verstärken sich gegenseitig. Frauen* spielen in solchen Zusammenhängen häufig eine besondere Rolle, da sie politische Entwicklungen angestoßen und wichtige inhaltliche Setzungen vorgenommen haben. An welchen Ausgangspunkten mussten sich einzelne Personen und/oder Communities zusammenfinden, um Widerstand zu leisten und für ihre Rechte einzutreten? Auf welche politischen Bewegungsgeschichte*n wurde und wird dabei Bezug genommen? Wie konnten und können bewegungspolitische Erfahrungen weiter gegeben werden?

Diese und andere Fragen werden wir gemeinsam mit unseren Gästen in der ersten Diskussionsveranstaltung im Rahmen des Projektes »Passing it On« diskutieren.


Anita Awosusi ist seit 30 Jahren in der Bürger*innenrechtsbewegung mit dem Schwerpunkt auf erinnerungspolitische Arbeit aktiv und war u.a. als Leiterin des Bildungsreferats und Vorstandsmitglied im Dokumentationszentrum deutscher Sinti und Roma in Heidelberg tätig.

Arfasse Gamada ist Mitbegründerin des Bremer Frauenprojekts »decolores« ist Diversity Trainerin mit den Schwerpunkten Rassismus/Anti-Rassismus & Empowerment und war Teil der Oromo-Frauenbewegung.

Kook-Nam Cho-Ruwwe ist Gründungsmitglied der koreanischen Frauengruppe in Deutschland.

Katja Kinder ist Mitbegründerin von Generation Adefra. Sie ist Erziehungswissenschaftlerin, diversitätsorientierte & diskriminierungskritische Beraterin und bei der RAA Berlin tätig.

Sprache(n) des Widerstands

Donnerstag, 21.03.2019, 19h

Im Rahmen des Romnja* Power Months 2019.

Gespräch mit Tayo Awosusi Onutor und Garunya Wieczorek

Moderiert wird der Abend von Hajdi Barz und Iris Rajanayagam

Welche Rolle spielt Sprache in Widerstandsstrategien? In wie weit kann Sprache empowern und die Verwendung und Weitergabe der eigenen Sprache als widerständiger Akt gesehen werden? Was tun wir um unsere marginalisierten, teilweise vom Verschwinden bedrohten Sprachen am Leben zu halten und weiterzutragen? Wie setzen wir sie ein und was bedeuten diese Sprachen für uns in Bezug auf Zugehörigkeit und Identität? Wie kann Sprache eingesetzt werden, um hegemoniale Wissensarchive zu irritieren und Gegenerzählungen zu schaffen?

An diesem Abend möchten wir uns insbesondere mit den Sprachen Romanes und Tamil (Eelam Tamil) auseinandersetzen; beides Sprachen, die bis heute eine starke Marginalisierung, sowie Stigmatisierung erfahren. Gleichzeitig werden sie trotz oder gerade auf Grund dieser Tatsache in bestimmten Kontexten und für bestimmte Gruppen stark mit Widerstand in Verbindung gebracht.

Wir sprechen mit Tayo Onutor und Garunya Wieczorek über ihr Verhältnis zu und Umgang mit Sprache und darüber welche Potentiale aber auch Risiken sie in der Verwendung von Sprache als Mittel des Widerstands sehen.

Der Abend wird Moderiert von Hajdi Barz und Iris Rajanayagam.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem RomaniPhen Archiv statt. www.romnja-power.de/

 


Tayo Awosusi-Onutor ist Sängerin, Autorin, Regisseurin, Politische Aktivistin, Mutter und lebt in Berlin. Sie bezeichnet sich selbst als Afro-Sintezza. Ihre Musik, Soul, Jazz, R´n´B und Musik der Sinti und Roma, interpretiert sie in Englisch, Deutsch und Romanes. Außerdem leiht sie ihre Stimme Film und TV als Synchronsängerin und -sprecherin. Tayo studierte Germanistik und Multimedia. Sie ist Vorstandsmitglied von RomaniPhen e.V. und Mitglied der IniRromnja. Sie ist beim feministischen Romnja* Archiv RomaniPhen für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. 2017 veröffentlichte sie die Dokumentation „Phral mende – Wir über uns. Perspektiven von Sinti* und Roma* in Deutschland.“ Tayo engagiert sich darüber hinaus politisch in verschiedenen Communities of Colour. Weitere Informationen finden sich unter www.tayo-online.de und www.romnja-power.de

Garunya Wieczorek studierte Franko-Deutsche und Europastudien in Berlin (FU), Paris (Sciences-Po, Sorbonne-Nouvelle) und London (LSE) und erwarb ein Diplom in Tamil (TBV) sowie in Karnatischer Musik (OFAAL). Sie ist ausgebildete Bharatanatyam Tänzerin. Garunya arbeitete u.a. als Lehrerin bei der Tamilischen Bildungsvereinigung e.V. in Berlin.

Hajdi Barz zur Zeit wissenschaftliche Mitarbeiterin im Outreach der Stiftung Berliner Mauer, hat sich nicht nur im Studium mit Sprache(n), Sprachverlust, Rassismus, Sexismus, romani Geschichte, Identität und Feminismus beschäftigt. Sie ist Mitglied der IniRromnja und eine enge Freundin des RomaniPhen Archives. Sie freut sich auf den Romnja* Power Month und glaubt an seine dekonstruierende, repräsentative Kraft.

Lesung und Gespräch: „Fremdgemacht & Reorientiert – jüdisch-muslimische Verflechtungen“ (Hrsg.: Ozan Zakariya Keskinkılıç | Ármin Langer)

Donnerstag, 22. November 2018, 19h

Mit Ozan Zakariya Keskinkılıç und Shlomit Tulgan

In diesem Buch nehmen Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Künstler*innen «abendländische» Erzählungen zum Ausgangspunkt, um den politischen, religiösen, historischen wie gegenwärtigen jüdisch-muslimischen Verflechtungen auf die Spur zu kommen. Sie irritieren die Mär des christlich-jüdischen Abendlandes, stellen Fragen nach den Wechselwirkungen von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus, diskutieren vielschichtige Beziehungen und stellen ihre jeweiligen Erfahrungen in den Vordergrund. Sie zeigen Perspektiven auf, die in weiten Teilen der Gesellschaft nicht gehört werden. Sie berichten von Un/Gleichheiten, kollektiven Erinnerungen und Erzählungen, von Utopien und Widerständen.

Näheres zum Buch: www.yilmaz-gunay.de/index.php/programm/9-aktuell/45-zweites-buch

Die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt.


Shlomit Tulgan wurde, in eine aus Istanbul stammende jüdische Familie, in Berlin geboren, wuchs aber aufgrund der journalistischen Tätigkeit ihrer Eltern, in Prag und Moskau auf. Nach ihrem Kunstpädagogik-Studium an der Universität der Künste arbeitete sie in Seattle, Jerusalem und Berlin als Kinderbuchillustratorin, Autorin in deutscher und türkischer Sprache und Kommunikationsdesignerin. Später wirkte sie in bildungspolitischen Projekten an Schulen gegen Antisemitismus und Islamphobie mit. Seit 2008 arbeitet sie im Jüdischen Museum Berlin und konzipiert dort die Communityprogramme im Jüdisch-Muslimischen Forum. 2010 gründete sie das Jüdische Puppentheater Berlin “Bubales”, das sich besonders im interkulturellen Dialog für Kinder engagiert. Shlomit Tulgan verfasste für das Buch “Fremdgemacht & Reorientiert – jüdisch-muslimische Verflechtungen” den Beitrag “Bittersüße Fragmente aus dem Leben einer türkischen Jüdin”.

Ozan Zakariya Keskinkılıç ist Politikwissenschaftler (MA Internationale Beziehungen, Freie Universität Berlin/ Humboldt Universität zu Berlin/ Universität Potsdam). Er forscht und publiziert u.a. zu den Themen (antimuslimischer) Rassismus, Antisemitismus, Orientalismus, (Post-) Kolonialismus, Jüdisch-Muslimische Beziehungen, Erinnerung und Empowerment. Aktuell arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Drittmittelprojekt “Bedrohungsszenario”  und lehrt im Arbeitsbereich Diversity Studies/ Rassismus und Migration.