ent_wahrnehmen I ent_komplexisieren I ent_konstruieren

ent_wahrnehmen

wenn ich etwas nicht sage, wenn ich eine privilegierte position nicht benenne, also entnenne, dann ist das eine sprachhandlung, die zu einer entwahrnehmung meiner privilegierung führen kann. entwahrnehmung sind durch unterschiedliche kommunikative handlungen vollzogen wie entnennungen, enthören (ich höre einer anderen person nicht zu; ich lese bestimmte sachen nicht; ich höre über andere stimmen hinweg, berücksichtige sie nicht),  dann handle ich so, dass ich entwahrnehmungen schaffe. entwahrnehmungen sind die konzeptuellen prozesse, die durch unterschiedliche kommunikationsformen wie sprechen, schreiben, sehen, ansehen/anblicken, zuhören usw. hergestellt werden. etwas nicht zu hören ist nicht einfach etwas nicht zu hören, sondern führt dazu dass etwas – oder x –nicht wahrgenommen wird, eine andere person oder position kein gehör findet und dadurch auch keinen eingang in meine vorstellungen_politiken_handlungen_wahrnehmungen.

zum weiterlesen: natasha a. kelly (im erscheinen): afrokultur als wissenskultur. die ent_wahrnehmung von Schwarzen wissensre_produktionen in deutschland. dissertation  (arbeitstitel).


ent_komplexisieren

strukturelle diskriminierungen sind komplex, sind interdependent (verlinken). wenn nur einzelne aspekte davon betrachtet werden und dadurch universalisierungen geschaffen werden, wenn also zum beispiel ein allgemeines ziel für trans_x_ende politiken benannt wird und dies nicht ausdifferenziert wird für personen, die durch rassismus und ableismus diskriminiert sind und für personen die über rassismus und ableismus privilegiert sind, dann wird so eine komplexe interdependente diskriminierungsstruktur entkomplexisiert. entkomplexisierungen führen zu diskriminierungen über die universalisierungen bestimmter vorstellungen, positionen, normen.


ent_konstruieren

gender, in allen interdependenten formen und allen unterschiedlichen realisierungsdifferenzierungen ist konstruiert.

trans_x_ing ist versuchend immer wieder auch ent_konstruierend zu sein zu gendernormen, -vorstellungen, -verhältnissen

xart splitta ist trans_x_ing ist versuchend ent_konstruierend.

ent_konstruieren ist fort_laufend hinlaufend immer sich bewegend nie ankommend

konstruktionen sind nicht willkürlich, nicht individuell autonom spontan durchgängig und durchgreifend veränderbar

konstruieren ist eine machtvolle machtdurchzogene normalisierende handlung – so stark dass sie nicht als konstruierende handlung begriffen wird häufig sondern als vorgängig, als schon da, als natürlich.

alles was natürlich ist, ist eine konstruktion als natürlich

alles was kulturell ist, ist eine konstruktion als kulturell

das zu hinterfragen ist ent_konstruieren

gender in allen seinen ausformungen ist ein effekt von genderismus

race ein effekt von rassismus

ableisierung ein effekt von ableismus

häufig ist der fokus wegverschoben von den strukturellen diskriminierungsformen hin zu den sich immer stärker naturalisierenden effekten derselben – zu den kategorien, die diese geschaffen haben und fortwährend weiter schaffen.

und in widerständigen politiken, in denen diese kategorien als ausgangspunkt genommen werden, werden bestimmte machtvolle konstruktionen damit anerkannt, zumindest ein stückweit, eine zeit lang – um widerständig auf einer bestimmten ebene vielleicht handeln zu können.

ent_konstruiere ich diese naturalisierungen, diese setzungen, dann gehe ich in bestimmter weise vielleicht weiter mit meinen politiken, vielleicht aber greifen sie dadurch und damit dann nicht, vielleicht werden sie unverständlich, effektlos und sind dann keine politiken mehr. vielleicht fordern sie heraus, irritieren sie so stark, dass andere wütend werden, zumachen, schreien, türen knallen, weggehn. und manchmal sind effekte vertrackt und komplex und sowieso nicht steuerbar.

ent_konstruiere ich, so konstruiere ich gleichzeitig auch. konstruiere ich das was ich entkonstruieren will. der unterstrich in ent_konstruieren deutet diese ambivalenz, dieses paradox, an.

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