DGS I & II Kurse mit dem Team von Lebendige Gebärden I Herbst 2021

DGS I: Mittwochs, 15. September – 1. Dezember 2021, 17:00-18:30h

DGS II: Dienstags, 14. September – 30. November 2021, 19:00-20:30h

*These courses will take place online in German Sign Language*

Info-Bild DGS-Kurse im Herbst

Wir freuen uns, im Herbst wieder DGS Kurse (DGS I & DGS II) Kurs mit Diana Spieß und dem Team von Lebendige Gebärden anbieten zu können.

Der erste Kurs (DGS I) findet im Zeitraum vom 15. September bis 1. Dezember 2021 mittwochs von 17:00-18:30h online statt. Am 10. und 17. November findet kein Kurs statt!

Der zweite Kurs (DGS II) findet im Zeitraum vom 14. September bis 30. November dienstags von 19:00-20:30h online statt. Am 9. und 16. November findet kein Kurs statt!

Beide Kurse umfassen 10 Termine und werden von Marko Salutzki geleitet.

Zur Anmeldung oder bei Fragen zu den Teilnahmebedingungen, schreibt bitte bis zum 3. September 2021 eine E-Mail an: contact@xartsplitta.net.


Bitte beachtet folgende Hinweise:

  • Personen, die sich für DGS II anmelden möchten und nicht an einem DGS I Kurs bei xart splitta bzw. Lebendige Gebärden teilgenommen haben, werden gebeten, die Absolvierung der vorigen Niveaustufe(n) oder entsprechende Vorkenntnisse durch ein Skype-Interview nachzuweisen.
  • Eine Teilnahmebescheinigung kann von Lebendige Gebärden nur ausgehändigt werden, wenn eine Teilnahme am Kurs von 70% oder höher vorliegt.
  • Ein oder zwei Stunden vor dem Kursbeginn erhalten Teilnehmende eine E-Mail mit den Zugangsdaten und anderen wichtigen Informationen für die Kursteilnahme über Webcam.
  • Eine dolmetschende Person wird bei Kursbeginn anwesend sein.
  • Nach der Einführung erhalten Teilnehmende die Unterrichtsmaterialen per E-Mail und im Chat bei Zoom. Diese können im Nachhinein ausdruckt werden. Das Unterrichtsmaterial ist nur für teilnehmende Personen bestimmt und darf nicht an Dritte weitergegeben werden.

Kursinhalte DGS I:

In dieser ersten Kursstufe lernen die Teilnehmenden grundlegende Kenntnisse zur Deutschen Gebärdensprache wie das Fingeralphabet, Vokabeln, Fragewörter, Zahlen und einfache Sätze. Außerdem werden die Teilnehmenden in drei wichtigen Grundtechniken der Deutschen Gebärdensprache eingeführt: die visuelle Wahrnehmung, die Mimik und die nonverbale sowie gestische Kommunikation.

Sitzung 01 – Einführung Teil 1 – Grundtechniken der visuellen Modalität etc.
Sitzung 02 – Einführung Teil 2 – Grundtechniken der visuellen Modalität & Fragen
Sitzung 03 – Personalpronomen, Possessivpronomen, Demonstrativpronomen
Sitzung 04 – Ausdrücke für Bitten und Nachfragen, Bejahung und Verneinung
Sitzung 05 – Personenbezogene Richtungsverb, Benefaktivpronomen
Sitzung 06 – Vollverben „haben“ und „da sein“
Sitzung 07 – Grundzahlen
Sitzung 08 – Ordnungszahlen, Modalverben mit Alpha-Verneinung
Sitzung 09 – Bedeutung und Differenzierung von ZUSAMMEN
Sitzung 10 – Was gehört wem? und Wo ist das?

Kursinhalte DGS II:

Bei DGS II bekommst du einen weiteren Einblick in die Gehörlosenkultur. Natürlich machen wir auch mit der Gebärdensprache weiter. Die Vokabeln, die du schon bei DGS I gelernt hast, werden wiederholt, um sicherzugehen, dass du nichts vergessen hast. Dazu lernst du viele neue Vokabeln für Gefühle und Emotionen. Ein großes Thema bei DGS II ist Zeit: das heißt viele Gebärden für Wochentage, Monate und andere Zeitangaben. Zudem erfährst du, wie man Uhrzeiten auf DGS ausdrückt. Da kommt auch die Zeitlinie hinzu; sie ist ein wichtiger Teil der Grammatik der DGS, denn man drückt damit Tempus aus. Die Struktur von Aussage- und Entscheidungsfragesätzen wird geübt und die im Kurs gelernten Gebärden und Strukturen werden durch Dialogübungen gestärkt.

Sitzung 01 – Geschichte der Gehörlosenschule, Kultur der Gehörlosen
Sitzung 02 – Aussage oder Entscheidungsfragesatz
Sitzung 03 – Zeitlinien
Sitzung 04 – Die un- und bestimmte Zeitangaben
Sitzung 05 – Inkorporation bei „Woche“
Sitzung 06 – Inkorporation bei „Jahr“
Sitzung 07 – Euro und Cent
Sitzung 08 – Inkorporation bei „Woche“ – Übungen, Verben
Sitzung 09 – Inkorporation bei „Jahr“ – Übungen, Verben
Sitzung 10 – Bewegungsbeschreibung, Verbe


Foto Diana Spieß

Zu Diana Spieß:

“Bist DU taub? ICH bin es! GEBÄRDENSPRACHE IST SPANNEND, VIELFÄLTIG UND WOW!”

Diana Spieß wuchs in einer tauben und gebärdensprachnutzenden Familie als taub Geborene auf. Sie ist auf dem Gebiet der Gebärdensprache Muttersprachlerin. Von frühster Kindheit an bestand ihr Interesse an einem Austausch mit der hörenden Welt. Nach einer Ausbildung und der beruflichen Tätigkeit als Sozialpädagogische Assistentin, qualifizierte sie sich erfolgreich zur Gebärdensprachdozentin. Seitdem ist sie neben vielen anderen Sozial- und Schulprojekten im Bereich der Gebärdensprachvermittlung sehr aktiv.

Weitere Infomationen zu Diana Spieß und Lebendige Gebärden findet unter: www.lebendige-gebaerden.de


Diese Veranstaltung findet im Rahmen des, von der LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

Online reading and discussion group: Queer of Colour Critique

Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, Stiften, Bildern und anderen Gegenständen

With Rena Onat and Saida-Mahalia Saad

May 31th – October 25th 2021

*This reading circle will take place in spoken German. The final session with Chandra Frank and Gayatri Gopinath however, will take place in spoken English. Further information will follow soon.*


Buntes Foto von Büchern, die im Lesekreis besprochen werden, von Stiften, Bilder und anderen Materialen
© Rena Onat und Saida-Mahalia Saad

An fünf aufeinanderfolgenden Terminen möchten wir uns mit verschiedenen theoretischen Ansätzen der Queer of Colour Critique auseinandersetzen.

Queer of Colour Critique bedeutet erstmal recht allgemein eine kritische Perspektive von als ‚queer‘ und ‚of Colour‘ positionierten Personen. Zwar gibt es keine einheitliche Gruppe von ‚Queers of Colour‘ – der Begriff bezeichnet eine Vielzahl von unterschiedlichen Identitäten und Erfahrungen und aktuell wird deswegen auch eher von QTIBIPoCs (QueerTransInter*Black and Indigenous People of Colour) geschrieben. Es gibt aber die Gemeinsamkeit, sowohl von Rassismus als auch von Homo- und/oder Transfeindlichkeit betroffen zu sein, also Mehrfachdiskriminierung zu erleben. Das bedeutet auch, dass es geteilte Erfahrungen und geteilte Widerstands-, Überlebens- und Empowermentstrategien gibt. Queer of Colour Critique richtet sich beispielsweise gegen Rassismus und Weißsein als Status Quo auch innerhalb politischer Bewegungen, wie der Frauenbewegung, der Homosexuellen-/Queeren-Bewegungen, Subkulturen und Szenen. Sie ermöglicht außerdem ein Sprechen über die eigenen Erfahrungen mit Homo- und Transfeindlichkeit in der Gesellschaft und teilweise auch in den eigenen Communities. Gerade das ist schwer, auf Grund der vielen rassistischen Stereotype, die wir nicht bedienen wollen.

Wir meinen mit Queer of Colour Critique aktivistische, theoretische und künstlerische Positionen. Einige der Theorien, die von QTIBIPoCs veröffentlicht wurden, wollen wir euch im Lesekreis vorstellen und mit euch diskutieren, weil wir denken, dass sie uns Worte geben für das, was wir selbst erleben und uns inspirieren und stärken können. Die Texte, die wir lesen wollen, sind von José Esteban Muñoz, Sara Ahmed, Gloria Anzaldúa, Riley Snorton und Jin Haritaworn. Zu unserer Session zu Gloria Anzaldúa haben wir Maque Pereyra als weiteren Gast eingeladen, da sie in ihrer künstlerischen Arbeit viele Bezüge zu Gloria Anzaldúa macht und wir gerne mehr darüber hören wollen. Für den Abschlusstermin im Herbst haben wir Chandra Frank und Gayatri Gopinath für ein gemeinsames Gespräch über Queer Diaspora und Archive eingeladen.

Fragen, die uns beschäftigen und über die wir gemeinsam nachdenken wollen, sind: Wie können wir es schaffen, dass Wissenschaft und Wissen, die QTIBIPoCs betreiben und hervorbringen, zurück in die Communities gelangen? Welche Bedeutung können auch unser Erfahrungswissen und unsere politische Praxis für diese Theorien und Konzepte haben? Inwieweit können diese Theorien auch im Sinne bell hooks als “Liberatory Practice” und “Healing Theory” verstanden werden? Und nicht zuletzt: Was machen wir damit, dass viele der Theorien aus den USA kommen und auf Englisch sind?

Wir wollen uns der Theorie aus der Perspektive unserer gemeinsamen Freund*innenschaft heraus annähern. Dinge, über die wir gerne sprechen, unsere persönlichen Erfahrungen als queere BIPoC Personen in Deutschland, sowie politische Praxis möchten wir mit Theorie verknüpfen. Wir möchten einen Raum schaffen, indem wir uns austauschen, bereichern und Theorie nicht nur als ‚akademisch produziert und nutzbar‘ verstehen können. Unsere Freund*innenschaft ist demnach ein wesentlicher Bestandteil unserer Gespräche über Theorie.

Die gemeinsamen Gespräche werden von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad angeleitet und finden ab dem 31. Mai online jeweils am Montag statt. Die Termine können einzeln oder zusammen besucht werden. Texte werden vorab verschickt. Das Lesen dieser ist nicht die Voraussetzung für eine Teilnahme.

Der Lese- und Gesprächskreis richtet sich ausdrücklich an Personen, die sich als Schwarze Menschen, Indigenous oder People of Colour identifizieren. Die Bereitschaft, sich mit BIPoC Queer- und Trans*themen auseinanderzusetzen ist Voraussetzung für die Teilnahme am Kurs. Das Angebot findet bewusst außerhalb eines akademischen Settings statt und richtet sich explizit auch an Personen, die sich nicht innerhalb von akademischen Kreisen und Theorien bewegen. Grundlage für die Treffen ist eine gegenseitige Anerkennung unterschiedlicher Formen des Wissens und eigener Erfahrungen. Die (englischen!) theoretischen Texte, die für die jeweiligen Treffen gelesen werden können, werden dementsprechend immer von Rena Onat und Saida-Mahalia Saad aufbereitet und in eigenen Worten als Input dem Austausch vorangestellt.

Programm des Lesekreises

Montag, 31. Mai, 18-20h: José Esteban Muñoz – Disidentification

Als erstes wollen wir mit euch über das Buch “Disidentification – Queers of Color and the Performance of Politics” (1999) von José Esteban Muñoz sprechen. Der Begriff Disidentification ist erstmal etwas abstrakt. Er bezeichnet jedoch eine Erfahrung, die viele von uns kennen, nämlich in verschiedenen Räumen immer nur mit einem Teil unserer Identität sein zu können, sich weder ganz zu identifizieren, noch sich gar nicht zu identifizieren. Etwas dazwischen. Muñoz ist Wissenschaftler in Performance Studies und erklärt Disidentification anhand verschiedener künstlerischer Arbeiten. Für ihn ist es gleichzeitig eine Überlebens- und Widerstandsstrategie und es kann zu etwas führen, was er “queeres worldmaking” nennt.

Montag, 28. Juni, 18-20h: Sara Ahmed – Orientierung und Queer Phenomenology

Sara Ahmed ist inzwischen sehr bekannt und wird viel diskutiert. Meistens geht es dabei viel um ihre Perspektiven auf Antidiskriminierung und Institutionenkritik oder um ihre Figur der “Feminist Killjoy”. Wir wollen mit euch darüber sprechen, was Sara Ahmed über Orientierung und Queere Phänomenologie zu sagen hat. Das ist ein theoretischer Ansatz, der nicht so einfach ist, nicht, weil Ahmed sich unnötig schwierig ausdrückt, sondern weil es komplexe Gedanken sind, die sie sich macht. Wir finden aber, dass es sich lohnt. Sie fragt danach, was es heißt, orientiert zu sein? Sie nimmt die Frage der Orientierung z.B. in sexueller Orientierung wörtlich. Aber sie fragt auch, was Orientierung und Orientalismus miteinander zu tun haben. Das Interessante an ihrem Ansatz ist, dass sie über strukturelle Machtverhältnisse nachdenkt, aber auch, wie diese Einfluss auf unsere Körper haben. Denn der Körper ist der Ausgangspunkt von Orientierung und Wahrnehmung.

Montag, 26. Juli, 18-20h: Jin Haritaworn & Riley Snorton – “Transnecropolitics”

In ihrem gemeinsamen Text reflektieren Jin Haritaworn und Riley Snorton über Politiken im Umgang mit dem Tod von Trans* Personen of Colour. Die Forderung, dass wir Platz für die Perspektiven von (lebenden) Trans* of Colour schaffen müssen, wird immer noch häufig abgewehrt als “PC that goes too far”, als politisch-korrekt was zu viel verlangt sei, wie Jin Haritaworn erklärt. Bei Veranstaltungen wie dem Transgender Day of Remembrance, bei dem an Opfer transfeindlicher Gewalt gedacht wird, sind es jedoch größtenteils Namen nicht-weißer Trans* Menschen, die verlesen werden. Wann bekommen also Trans* of Colour Aufmerksamkeit innerhalb von Queer und Trans Aktivismus? Was genau meint “Transnecropolitics”? Was können wir auch lernen über Politiken der Erinnerung und des Gedenkens?

Montag, 27. September, 18-20h: Gloria Anzaldúa – Borderlands
mit Maque Pereyra Queen of Yoggaton (wahrscheinlich auf Englisch)

Gloria Anzaldúas Buch “Borderlands / La Frontera” ist bereits von 1987. Sie ist eine Theoretikerin, die lange Zeit nur sehr wenig beachtet wurde, gerade auch innerhalb der Queer Theory. Dabei ist sie eine der ersten, die dazu geschrieben hat. Sie schreibt ausgehend von ihrer Erfahrung als queerer Chicana, aufgewachsen im “Borderland” zwischen den heutigen USA und Mexico. Sie schreibt über koloniale Grenzziehungen aber auch über Grenzen durch den Körper, durch Sprache sowie über Spiritualität. Bereits mit der Form ihres Textes leistet Gloria Anzaldúa Widerstand gegen das, was sie kritisiert, indem sie vermeintliche Gegensätze zusammenbringt: Sie mischt geschichtliche und theoretische Ausführungen mit Gedichten, kombiniert ihr Erfahrungswissen mit Wissen zu Geschichte, Ethnologie, präkolumbianischer Mythologie und Politik. Sie schreibt einzelne Wörter oder ganze Passagen auf Spanisch – wohlwissend, dass ein Teil der englischsprachigen Leser*innen diese Textteile nicht verstehen wird. Anzaldúa teilt mit uns nicht nur ihre Analysen und Erfahrungen sondern viele Visionen und Utopien.

Maque Pereyra studierte Psychologie in La Paz, Bolivien und absolvierte den MA Solo Dance Authorship am HZT Berlin. Sie ist Tänzerin, Performerin, DJ, Psychologin und bietet ganzheitliche Bewegungstherapie im Casa Kuà an. In ihren Performances arbeitet sie mit indigen-futuristischen Perspektiven und hatte u.a. Auftritte in den Sophiensälen oder im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Außerdem hat sie die Praxis Yoggaton entwickelt, die sie in Workshops und über YouTube-Videos vermittelt. Mehr zu ihr auf yoggaton.com und instagram.

Montag, 25. Oktober, 18-20h: Diskussion mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath

Weitere Informationen hierzu folgen demnächst.

Informationen zur Anmeldung und Teilnahme

Der Lesekreis findet in deutscher Lautsprache statt, lediglich das Gespräch im Oktober mit Chandra Frank und Gayatri Gopinath erfolgt in englischer Lautsprache. Bei Bedarf kann aber auch auf Englisch gesprochen werden. Die Texte stehen leider nur auf Englisch zur Verfügung. Das Lesen der Texte ist keine Voraussetzung für die Teilnahme.

Anmeldungen bitte bis zum 26.05.2021 an: contact@xartsplitta.net

Es wäre toll, wenn ihr bei eurer Anmeldung zu folgenden Punkten etwas schreiben würdet:

  • An welchen Terminen ihr teilnehmen möchtet.
  • Warum ihr euch für die Teilnahme am Lesekreis entschieden habt.
  • Auf welche Weise ihr euch bisher mit Queer of Colour Politik und Communities oder anderen Themen des Lesekreises beschäftigt habt.
  • Was eure Erwartungen und Hoffnungen in Bezug auf den Lesekreis sind.

Der Link für die Teilnahme wird dir zugesandt, sobald wir deine Anmeldung bestätigt haben. Der Link gilt für alle Termine.


Rena Onat ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und interessiert sich für Queer of Colour Kritik in Kunst und in der visuellen Kultur. Ihr Doktorarbeit hat sie zum Thema „Orientierungen. Queere Künstler_innen of Color und Verhandlungen von Disidentifikation, Überleben und (Un-)Archiving im deutschen Kontext“ an der Universität Oldenburg geschrieben. Ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit liegt bei Antidiskriminierung im Kunst- und Hochschulkontext. Derzeit arbeitet sie als Frauenbeauftragte an der weißensee kunsthochschule berlin. Rena positioniert sich als deutschtürkische Femme of Colour und mag Pferde.

Saida-Mahalia Saad studiert Soziokulturelle Studien an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder. Saida absolvierte den Bachelor in Kulturwissenschaften und ist gelernte*r Erlebnispädagoge*in. Saida arbeitet als Referent*in für politische Bildung mit den Schwerpunkten diskriminierungssensible Sprache, Rassismus, Empowerment, Gender und sexuelle Vielfalt. Zielgruppen umfassen dabei sowohl Schüler*innen, als auch Studierende, Lehrkräfte und Schulpädagog*innen. Bei xart splitta arbeitet Saida im Team des Lesekreises Queer of Colour Critique mit.


Diese Veranstaltung findet im Rahmen des, von der LADS geförderten Projektes #CommunitiesSolidarischDenken statt.

Passing it On

This event series and project will take place in German spoken language. German information below:

04. März – 16. November 2019

Schwarze Klassiker*innen/ Klassiker*innen of Colour lesen –

Denkansätze verstehen – Bewegungsgeschichte/n diskutieren

Eine generationsübergreifende Weiterbildungs- und Veranstaltungsreihe
von und für rassismuserfahrene Menschen

Wie wird Wissen innerhalb politischer Bewegungen, über politische Bewegungen sowie zwischen verschiedenen Generationen und Kontexten von Schwarzen Communities und Communities of Colour weitergegeben? Gibt es bewegungspolitisches Wissen, das uns fehlt und wenn ja, welchen Einfluss hat dieses manchmal fehlende Wissen auf unsere heutigen politischen Konzepte und Handlungspraxen? Was macht es mit unserer Fähigkeit, uns intern kritisch zu reflektieren? Wie können wir uns unsere verschiedenen Wissens(be)stände generationsübergreifend vermitteln und gemeinsam besprechen?

Aus diesen Fragen, Überlegungen und Bedürfnissen heraus entstand die Idee für »Passing it On«.

»Passing it On« ist für die Dauer eines Jahres angelegt und besteht aus drei Teilen. Die Lesereihe »Closer Reading – Genauer betrachtet…« findet einmal im Monat statt und bietet die Möglichkeit, bewegungspolitische Texte zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen gemeinsam zu lesen und zu diskutieren. Sie wird ergänzt von öffentlichen Diskussionsveranstaltungen, die alle drei Monate stattfinden. Dabei soll jeweils ein Schwerpunktthema mit drei bis vier Expert*innen aus verschiedenen Schwarzen Communities und Communities of Colour vertieft werden. Die eingeladenen Gastredner*innen sind immer auch Aktivist*innen, Denker*innen, Praktiker*innen und Zeitzeug*innen in einem. Den Abschluss von »Passing it On« bildet eine zwei-tägige Winter School, in der die gemeinsam erarbeiteten Kernthemen generations- und communityübergreifend diskutiert werden.

Ziel des Projekts ist es, Praxis(erfahrungen) und Theorie(bildungen) und miteinander zu verbinden. Wir möchten individuelle und kollektive Handlungsweisen in marginalisierten Communities in Geschichte und Gegenwart gemeinsam erarbeiten, sie erkunden und Raum schaffen, um sie anzuschauen. Ein Schwerpunkt soll darauf liegen, bewegungsgeschichtliches Wissen zugänglich zu machen, um sich dieses Wissen (wieder) anzueignen, es selbstbestimmt weiterzugeben und zu nutzen.


Die Lesereihe »Closer Reading – Genauer betrachtet…«

Ein wichtiger Teil unserer verschiedenen Wissens(be)stände findet sich dokumentiert in Texten. Viele dieser Texte sind nicht (mehr) zugänglich, weil sie zur grauen Literatur gehören oder vergriffen sind; andere Texte werden nicht (mehr) gelesen, weil sie im Laufe der Jahre überschrieben worden sind und es manchmal schwierig ist, sie ›auszugraben‹. Doch spielen gerade solche Texte eine besondere Rolle, denn sie liefern uns nicht nur Überlegungen und gedankliche Anhaltspunkte, sondern sind gleichzeitig bewegungsgeschichtliche Zeitzeugnisse. Und nicht zuletzt füllen sie auch Leerstellen des Austausches, denn nicht immer können wir auf eine kollektive generationsübergreifende mündliche Weitergabe von Wissen zurückgreifen. Die Lesereihe ist deshalb zeitlich chronologisch angelegt. Das bedeutet, die Texte, die wir in den einzelnen Sitzungen lesen werden, umfassen einen Zeitraum von vier Jahrzehnten, beginnend in den 1970er Jahren. Deutschland als Hauptbezugspunkt nehmend, geht es dabei um folgende inhaltliche Schwerpunkte:

1. 1970er bis Anfang der 1990er Jahre: Schwarze Communities und Communities of Colour – Ausgangspositionen – Begegnungen – Erkundungen

2. Die 1990er Jahre Bündnispolitiken – innere und äußere Konfliktlinien – bewegungspolitische Veränderungen

3. Die 2000er Jahre: Theoretische Grundlagen und Vielschichtigkeiten – Unterschiedlichkeiten in Schwarzen Communities und Communities of Colour – Wissensweitergabe und Wissensblockaden

4. Seit 2010: Was wissen wir (nicht) und warum? – Wissens(be)stände Schwarzer Menschen und People of Colour in der gemeinsamen Erforschung

Wir wollen die Erfahrungs- und Wissens(be)stände, die wir mitbringen, auf neue Weise ›in Bewegung‹ versetzen. Es soll darum gehen, unsere Stimmen und Perspektiven als Ausgangspunkt zu nehmen und machtvolle Diskurse – auch innerhalb diskriminierungserfahrener Communities – zur Diskussion zu stellen und zu durchbrechen. Wir werden uns mit Texten befassen, die verschiedene Erfahrungen und Kämpfe reflektieren und die auf einem machtkritischen Ansatz basieren. Der Großteil der Texte wird auf Deutsch oder in deutscher Übersetzung gelesen. Hierzu zählen auch Beiträge aus der grauen Literatur (z.B. privat gedruckte Flugblätter und Manifeste) sowie Filme und Werke in anderer Textform (z.B. Gedichte, Essays, Kurzgeschichten oder Autobiografien). Die Texte sind in der Regel gut verständlich.

Der Lesereihe richtet sich an alle Interessierten. Er findet bewusst außerhalb eines universitären bzw. akademischen Settings statt. Ein intersektionaler Ansatz bildet die Basis für das gesamte Projekt. Fragen, die im Rahmen des Lesereihe gestellt werden, sind u.a.:

•          Welche Rolle spielt das kollektive Erinnern an die Erfahrungen von emanzipatorischen Bewegungen, wie bspw. der Bürgerrechtsbewegung von Sinti*zze und Romn*ja oder der Schwarzen Frauen*bewegung (in Deutschland) für unser Denken und Handeln heute? Wie haben diese Bewegungen auf  queer-feministische intersektionale Bewegungspolitiken und Aktivismen gewirkt? Wie sind sie miteinander verflochten?

•          Wie können wir die verschiedenen historischen Erfahrungsbestände von Widerstands- und Befreiungsbewegungen sichern, aus ihnen lernen, sie aber auch konstruktiv kritisieren, um unsere eigene Praxis zu verändern? Welchen Einfluss haben veränderte Kommunikationsformen – z.B. durch Social Media Aktivismus – auf die Art und die Inhalte des Wissens und der Wissensweitergabe zwischen Generationen?

•          Wie können wir solidarische Begegnungs- Lern- und Denkräume herstellen, in denen Menschen verschiedener Generationen und Communities zusammenkommen, über Gemeinsamkeiten und Widersprüche politischer Bewegungen diskutieren und die Ergebnisse dieser Diskussionen fruchtbar machen?

 

Die Lesetreffen finden von März bis November 2019 an jedem ersten Montag des Monats statt. Die regelmäßige Teilnahme an den Sitzungen wird vorausgesetzt. Die erste Sitzung am 4. März 2019 und alle darauffolgenden Treffen finden jeweils von 18-20 Uhr bei xart splitta statt. Materialien werden von uns zur Verfügung gestellt. Das Projektteam wird die monatlichen Treffen planen und eine Vorauswahl der zu lesenden Literatur treffen, die ggf. von den Teilnehmenden modifiziert und/oder ergänzt werden kann.

Anmeldung zur Lesereihe

Bei Interesse bitten wir um ein kurzes Motivationsschreiben von nicht mehr als einer Seite. Folgende Fragen sollten dabei als Orientierung dienen:

·       Worin begründet sich Dein Interesse an der Teilnahme am Kurs?

·       Was ist Dein Bezug zum Thema?

·       Was erhoffst Du Dir von der Teilnahme am Kurs?

Schickt Euer Motivationsschreiben bitte bis zum 17. Februar 2019 an rajanayagam@xartsplitta.net. Fragen bitte an: contact@xartsplitta.net.

Wir freuen uns auf Euch!

Iris Rajanayagam, Nicola Lauré al-Samarai, Fallon Cabral, Zara Zandieh


Informationen zu den Diskussionsveranstaltungen

Die Diskussionsveranstaltungen finden bei xart splitta statt.

Save the Date Winter School!

Den Abschluss der Reihe bildet eine zwei-Tägige Winter School, die am 15. und 16. November 2019 im Nachbarschaftshaus Urbanstraße, in Berlin-Kreuzberg stattfindet.

Nähere Informationen zu den Diskussionsveranstaltungen sowie zur Winter School findet ihr demnächst hier.

»Passing it On« wird von der Bundeszentrale für politische Bildung gefördert.