Publikations-Launch!

Sita Ngoumou: 14. Juli 1884

Geschichte Schreiben (Neue Rundschau 2018/2), hg. von Sharon Dodua Otoo und Manuela Bauche

Donnerstag, 5. Juli, 17 Uhr im Rahmen des Symposiums “Neue Perspektiven”

(www.xartsplitta.net/symposium-neue-perspektiven/)

Hegemoniale Geschichtserzählungen – etwa über den Kolonialismus – geraten zuletzt zunehmend ins Wanken, werden umgeschrieben und neu perspektiviert. Das geschieht aber nicht von selbst, sondern wird auch durch die jahrelangen Kämpfe von Aktivist*innen, beispielsweise Initiativen Schwarzer Menschen und weiterer People of Colour, vorangetrieben. Wie lässt sich Geschichte anders schreiben? Ist historisches Unrecht vergleichbar? Lässt sich Geschichte nicht auch dezentriert und komplex erzählen?

Für die neueste Ausgabe der Zeitschrift Neue Rundschau (S. Fischer Verlag) haben die Autorin Sharon Dodua Otoo und die Historikerin Manuela Bauche Schriftsteller_innen, Künstler_innen und Akademiker_innen nach ihren Visionen vom “Geschichte Schreiben” gefragt. Im Launch stellen Otoo und Bauche  – gemeinsam mit Clementine Burnley, Anna Kim, Philip Kojo Metz, Musa Okwonga, Sita Ngoumou und Isidora Randjelović, die einige der insgesamt dreißig Beitragenden sind –  das Heft vor.


Beitragende

Sharon Dodua Otoo schreibt Geschichten. Sie ist Schwarze Britin, Mutter, Aktivistin, Autorin und Herausgeberin der englischsprachigen Buchreihe “Witnessed” in der edition assemblage. Ihre neueste Veröffentlichung “die dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…” und “Synchronicity. Zwei Novellen” erschein 2017 in Fischer Verlag. Sie hat mit dem Text “Herr Gröttrup setzt sich hin” den Ingeborg-Bachmann-Preis 2016 gewonnen.

Manuela Bauche rekonstruiert Geschichte. Sie ist Historikerin und hat zur Geschichte des deutschen Kolonialismus geforscht und veröffentlicht. Ihre Dissertation Medizin und Herrschaft. Malariabekämpfung in Kamerun, Ostafrika und Ostfriesland (1890–1919) erschien 2017 im Campus-Verlag. Als Referentin für politische Bildung hat sie zudem Projekte zur Auseinandersetzung mit Kolonialgeschichte geleitet, als Aktivistin engagiert sie sich für eine aktive Erinnerung an deutschen Kolonialismus, u.a. mit www.kolonialismusimkasten.de. Derzeit forscht sie am Museum für Naturkunde Berlin über die Geschichte naturkundlicher Expeditionen im Kalten Krieg.

Clementine Ewokolo Burnley lebt als Wahl-Berlinerin in der Stadt, in der auch ihr erster Roman Scatterchild spielt. Geboren in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun und aufgewachsen in Großbritannien, beschäftigt sich die Autorin und Medienwissenschaftlerin in ihrer Arbeit mit den Themen Verlust, Überleben und Interkulturalität. Sie hat u.a. veröffentlicht bei edition assemblage, Teamangelica Press, im Versal Journal, in The Feminist Wire und im Parabola Magazine. 2017 war sie nominiert für den Bristol Short Story Prize und Finalistin für das Miles Morland Stipendium. Sie twittert unter @decolonialheart.

Anna Kim, geboren 1977 in Südkorea, lebt und arbeitet in Wien und Berlin. Letzte Veröffentlichungen: “Anatomie einer Nacht” (2012), “Fingerpflanzen” (2017) und “Die große Heimkehr” (2017). Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, zuletzt den Literaturpreis der Europäischen Union 2012.

Isidora Randjelović Studium der Sozialpädagogik/Sozialen Arbeit und jahrelange Tätigkeit als Sozialpädagogin im Bereich der Jugendhilfe und in der politischen Bildungsarbeit. Gegenwärtig leitet sie das Feministische Romnja Archiv RomaniPhen in Berlin. Nebenberuflich lehrt sie an der Alice-Salomon-Hochschule zu Rassismus und Migration. Inhaltliche Arbeitsschwerpunkte und Publikationen fokussieren den Rassismus gegen Rom*nja und Sinte*zza sowie deren bürgerschaftliches Engagement und aktuelle soziale Bewegungen, Empowermentperspektiven, kritische Soziale Arbeit und feministische Analysen. Sie engagiert sich in der IniRromnja, einem Netzwerk Berliner Sinti- und Romafrauen*.

Musa Okwonga ist Dichter, Journalist und Musiker. Er studierte Jura in Oxford, bevor er eine Laufbahn als Rechtasanwalt aufgab, um Dichter zu werden. Er gewann die WHSmith Young Writers Competition 1996 und schrieb zwei Bücher über Football, wobei das erste, “A Cultured Left Foot”, für den William Hill Sports Book of the Year Award 2008 nominiert war. Er schreibt für The Economist, The New York Times, The New Statesman, Al-Jazeera, Foreign Policy, and The Guardian. Musa Okwongas Musik wird gespielt von BBC Radio One, BBC6 Music and Xfm, das Q Magazine nannte den Sänger “a globe-trotting Mike Skinner“ und er ist eine Hälfte des future blues outfit BBXO. (Übersetzung Petra Gropp)

Philip Kojo Metz; Nach dem Studium der Fotografie studierte Philip Kojo Metz Bildhauerei an Akademie der bildenden Künste in München und schloss als Meisterschüler ab. In den Jahren nach der Akademie erlangte er zahlreiche nationale und internationale Förderungen und Stipendien ist inzwischen in internationalen Ausstellungen vertreten. Sein Projekt “Adler Afrika”, aus dem die hier vorgestellte Arbeit stammt, fand in den letzten Jahren international Beachtung. Sein zentrales Thema ist in diesem Arbeitszyklus, vor einem authentischen Hintergrund die Geschichte Deutschlands in verschiedenen afrikanischen Ländern zu erforschen – sozusagen einem “verborgenen” Teil der deutschen Geschichte. Philip Kojo Metz lebt und arbeitet in Berlin.

Sita Ngoumou ist praktizierende Frauenärztin im Saarland und seit 2007 parallel als bildende Künstlerin tätig. Sie ist in Yaoundé (Kamerun) aufgewachsen, Tochter eines kamerunischen Vaters und einer deutschen Mutter. Ihre Bilder erzählen Geschichten, die u.a. von Identität und Transkulturalität handeln. Dafür bedient sie sich verschiedener Techniken. Sie bevorzugt die Malerei und das Zeichnen, verwendet aber auch Siebdruck, Kollagen und digitale Bildtechniken.