interdependenzen

diskriminierungen sind immer komplex und mehrschichtig. es gibt keine einfachen, monolithischen diskriminierungen, die dann addiert werden können in politiken und analysen, die frei wählbar wären und austauschbar. es gibt also beispielsweise keine genderistische diskriminierung, die nicht auch rassistisch_ableistisch durchzogen und konstituiert ist, die nicht auch rassismus und ableismus mit aufruft, auf die eine oder andere weise. genderismus bedeutet für Schwarze trans_x_te personen was anderes, manifestiert sich anders, wird anders eingelesen, als für PoC trans_xte personen, wird anders wahrgenommen, anders zugeschrieben als für weiße trans_xte personen. vielleicht ist genderismus/sexismus als konzept bereits rassistisch da es eine trennbarkeit impliziert, die für Schwarze und PoC-frauisierte überhaupt nicht gegeben war und ist. die machtvolle setzung von begriffen wie sexismus/genderismus als alleinstehend macht vielleicht überhaupt erst ein konzept wie interdependenzen notwendig – für weiße ableisierte personen, die so ihren machtanspruch alles und alle zu erklären weiter manifestieren.

gleichzeitig: in einer gesellschaft, in der machtverhältnisse als selbstverständlich getrennt voneinander benannt werden, geht es gar nicht, interdependenzen nicht wahrzunehmen. in allen fällen hängen genderismus und rassismus untrennbar zusammen, sind unterschiedlich realisiert und wahrgenommen und beide immer auch da. die idee es gäbe genderismus jenseits von rassismus und ableismus stellt weiße ableisierte normen als allgemeingültig, universalistisch her. das heißt jede analyse von genderismus und jede politik gegen genderismus muss immer ausdifferenziert sein nach anderen, nur analytisch trennbaren, diskriminierungsformen wie rassismus und ableismus.

wenn zum beispiel trans politiken dafür kämpfen, dass eine transgenderkategorie in deutschen pässen eingeführt wird, werden auf diese weise die kämpfe der in deutschland lebenden illegalisierten trans_xten personen ausgeschlossen. und damit wird nicht reflektiert, dass diese politik dann gleichzeitig diskriminierend ist.

weitalesen: combahee river collective (1981): „a Black feminist statement“. in cherrié m. moraga and gloria anzaldúa (hg.): this bridge called my back. writings by radical women of color. new york, s. 210-218.

 

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